Ernährung nach der chinesischen 5 Elemente Küche

Es ist der 01.02.2016 und wir begrüssen dich zu unserem neusten Blogeintrag.
Heute hat uns unser Mitglied, Frau Martina Blauth, einen sehr interessanten Text, über Ernährung nach der chinesischen 5-Elemente-Küche, gestiftet.
An dieser Stelle möchten wir Martina zu Wort kommen lassen, um sich kurz vorzustellen.

Hallo und willkommen zu meinem ersten Textbeitrag im Kampfkunstblog.
Mein Name ist Martina Blauth, ich bin Heilpraktikerin mit dem Fachgebiet Traditionelle Chinesische Medizin. Mit diesem Artikel zeige ich euch, wie einfach eine gesunde Ernährung sein kann und wie wichtig eine gute Ernährung ist. Sie gibt uns die nötige Energie im mentalen wie auch im physischen Bereich. Sie ist grundlegende Basis für unsere Gesundheit, ebenso wie die Atmung und die Bewegung bei Oi Gong und Tai chi.

Gesunde Ernährung ist einfach, wenn man sich an diesen simplen Grundregeln orientiert.

Gesunde Ernährung ist einfach, wenn man sich an diesen simplen Grundregeln orientiert.

Ernährung nach der chinesischen Medizin… Muss ich jetzt chinesisch essen?

Was ist chinesische Diätetik und was bringt sie mir?

Eines kann ich schon im Voraus sagen: eine Ernährung nach der Traditionellen Chinesischen Medizin hat mit dem chinesischen Essen, das wir aus den Restaurants kennen, nichts zu tun.

Ernährung an sich ist ein großer Teil der Basis unserer Gesundheit, was leider im Alltag immer mehr in Vergessenheit gerät. Aber eben genau diese Säule haben wir, neben Bewegung und guter Alltagsgestaltung, selbst in der Hand. Ernähren wir uns gut, ausgewogen, abwechslungsreich, eben gesund, arbeiten wir selbst an unserer Gesundheit. Wir können damit Krankheiten vorbeugen, aber auch so manche akute oder chronische Beschwerden lindern.

Für viele Menschen ist es normal, dass sich bei ihnen nach dem Essen ein Völlegefühl einstellt, dass sie sich müde und träge fühlen, auf manche Speisen mit Blähungen oder Verdauungsbeschwerden reagieren. Aber das ist nicht normal. Normal wäre, sich nach dem Essen angenehm gesättigt und gut zu fühlen und voller Energie zu sein.

Werden diese „normalen Beschwerden“ immer wieder übergangen und nicht abgestellt, können sie krankhaft werden und dann auch verschlimmern. Z. B kann das Aufstoßen nach immer wieder zu viel und zu süß, zu scharf, zu fett, zu sauer, sich in eine Refluxkrankheit umwandeln. Der Magen muss zu viel Verdauungssäfte produzieren und durch die Magenerweiterung (durch Überfüllen des Magens) kann der Schließmuskel zwischen Speiseröhre und Mageneingang erschlaffen. Dadurch können Magensäure und Speisebrei vom Magen wieder hinauf in die Speiseröhre gelangen. Dies kann dann zu Entzündungen, Verletzungen oder gar zu Tumoren in der Speiseröhre führen. Weitere Erkrankungen wären neben Gewichtsproblemen Stoffwechsel-, sowie Herz- und Kreislauferkrankungen (Diabetes Mellitus, Bluthochdruck, zu hohe Fettwerte…).

Mit einer guten Ernährung kann ich solchen Krankheiten vorbeugen, ich kann aber auch weitere Symptome wie ständiges Frieren, Kopfschmerzen, Migräne, Knochenschmerzen (Arthroseschmerzen) u.v.m. lindern.

Ernährung nach der chinesischen Medizin (auch bekannt als „5 Elemente – Küche“) – wie geht das?

Das Prinzip ist im Grunde ganz einfach, fast wie „back to the roots“, oder so, wie es die Großmutter früher gemacht hat:

  • esse regelmäßig 3 Mahlzeiten am Tag
  • morgens wie ein Kaiser, mittags wie ein König, abends wie ein Bettler
  • fülle den Magen nicht zu 100 sondern nur zu 85%
  • keinen industriell gefertigten Zucker, keine Fertigprodukte, kein Junk-Food (nur als Ausnahme!)
  • sehr wenig Rohkost
  • regionales, saisonales Obst und Gemüse
  • gutes Getreide
  • morgens warm frühstücken
  • ab 19.00 Uhr nichts mehr essen
  • Hauptgetränk ist warmes – heißes Wasser
  • in den Gerichten befinden sich immer alle 5 Geschmäcker (süß, salzig, sauer, bitter und scharf)

Warum, wieso, weshalb?

In der chinesischen Ernährungslehre muss man sich sein Verdauungsorgan als Kochtopf vorstellen, der auf einer Feuerstelle steht. Der Deckel liegt eigentlich daneben.

Die Feuerstelle steht für die Verdauungsenergie, das Verdauungsfeuer, das der gesunde Körper inne hat, um alles was im Kochtopf landet, zu verdauen, um es dann in Blut und Qi (Lebensenergie) umzuwandeln.

  • die regelmäßigen Mahlzeiten braucht der Körper, um seinen Verdauungs- und Insulinhaushalt zu führen. Jede Abweichung bedeutet Stress für den Körper und sorgt dafür, dass die Verdauung blockiert wird. Entweder wird die Nahrung gleich ohne verdaut zu werden durchgeschleust und es kommt zu Durchfall mit erkennbaren Nahrungsbestandteilen, oder der Magen produziert zu langsam bzw. zu wenig Verdauungssäfte und es kommt zu Blähungen, Koliken, Aufstoßen,Verstopfung… Außerdem verhindert man durch regelmäßige Mahlzeiten Heißhungerattacken.
    Chinesisch: Stress ist Wind, die Leber mag keinen Wind und wird ärgerlich. Über die Kontrollfunktion der Leber über die Milz lässt sie ihren Ärger an ihr aus, macht sozusagen den Deckel über dem Kochtopf zu. Somit wird das Verdauungsfeuer gebremst, der Milz wird die Kraft genommen.
  • Die Mengenverteilung der Mahlzeiten ist eigentlich altbekannt. Die Verdauungskraft nimmt im Laufe des Tages ab. Außerdem führt viel schweres und / oder spätes Essen zu Verdauungsproblemen und Schlafschwierigkeiten.
    Chinesisch: die Milz (unser Verdauungssystem) geht ab 19.00 Uhr schlafen, die Verdauung ruht. Kommt jetzt etwas Schwerverdauliches, ist die Milz viel zu müde, um dies zu verarbeiten, schließlich hat sie schon längst Feierabend! Die Umwandlung in Qi und Blut kostet sie viel zu viel Energie, sodass sie nur wenige Nährstoffe transformiert und den Rest ablagert => das sind die Schlacken und Fettdepots, die sich dadurch in unserem Körper ansammeln. Durch das Aufwecken der Milz werden auch alle anderen Organe im Körper wach oder aus ihrem Rhythmus gerissen, wie soll man da denn schlafen können?
  • Den Magen nicht zu überfüllen lässt unser Wohlbefinden schon steigern. Es kommt zu keinem unguten Spannungsgefühl im Bauch, man fällt nicht ins „Fresskoma“, man fühlt sich leicht und wohl.
    Chinesisch: die Milz und auch das Verdauungsfeuer werden nicht überfordert, es wird keine unnötige Energie verbraucht und die Milz hat es einfacher, die Nahrung zu transformieren.
  • Zu der Milz gehört der süße Geschmack. Damit ist jedoch die natürliche Süße gemeint, so wie sie in Getreide, Gemüse und Obst steckt und nicht in raffiniertem Zucker. Dieser versteckt sich auch in industriell gefertigten Lebensmitteln, Fertigprodukten, Wurst… Das Problem mit dem raffinierten Zucker ist, dass er für die Milz, bzw. überhaupt für den menschlichen Organismus zu süß, zu viel ist.
    Chinesisch: Zu jedem der 5 Elemente werden 10 (12) Organe bzw. Meridiane zugeordnet. Ebenso gehört zu jedem Element ein bestimmter Geschmack, welcher dann im Körper eine gewisse Aufgabe übernimmt. Natürlich gibt es noch viel mehr Zuordnungen, aber nur diese beiden genannten sind hier gefragt: Zu dem Element Erde z.B. gehören die Organe Milz und Magen, sowie der süße Geschmack. Dieser nährt und befeuchtet. Ein zu wenig führt zu Mangelernährung, zu zu wenig Qi und Blut, ein zu viel führt zu Feuchtigkeit und Schleim, was sich in Gewichtszunahme, Fettdepots, Bildung von Zysten, Tumoren… äußern kann. Die Milz ist damit überfordert, weswegen auch dadurch zu wenig Qi und Blut gebildet wird. Die natürliche Süße ist der Milz wohlgesonnen, aber selbst dies nur im Maße.
  • Rohkost gilt in der TCM als zu kalt und ist deswegen schwerverdaulich. Sie hat eine zu lange Magenverweildauer, es werden viel mehr Verdauungssäfte gebildet.
    Chinesisch: Das Verdauungsfeuer muss mehr leisten als sonst, ebenso die Milz und dadurch wird zu viel unnötige Energie verbraucht und da das Ganze zu mühsam für unsre Milz ist, wird alles, was über das „Normale“ an „Milzarbeit“ geht, im Körper als Feuchtigkeit und Schleim eingelagert. Was aber nicht heißt, dass man ganz auf Rohkost verzichten muss, als kleine Portion zu oder direkt nach einer warmen Mahlzeit ist es absolut machbar, da die Verdauung schon im Gange ist und die Verdauungsenergie schon da ist.
  • Regional und saisonal: was in unserer Region zu einer bestimmten Zeit wächst und geerntet wird, ist für unseren Körper am besten zu verwerten! Die Chinesen achten nicht nur auf den Geschmack der Lebensmittel, sondern auch auf deren Temperaturverhalten. Bananen und Zitrusfrüchte z. B. sind thermisch kühl bis kalt und wachsen in den südlichen Ländern, um die Menschen in dem heißen Klima herunterzukühlen. Die Orangen und Mandarinen in der Winterzeit bei uns sind eigentlich kontraproduktiv, sie fördern eher noch das Frieren anstelle uns zu wärmen. Die bei uns im Winter angebotenen Rüben und Kohlgemüse dagegen, haben die erwünschten nährenden und wärmenden Eigenschaften.
  • Nicht nur Reis und Nudeln sind Getreide, probiere auch Hirse, Dinkel, Polenta, Quinoa, Buchweizen…. Das macht die Gerichte abwechslungsreich und stärkt die Mitte.
  • Ein warmes Frühstück am Morgen regt die Verdauung an, lässt sich am schnellsten in Energie umwandeln, leitet Schlacken aus und vertreibt kalte Hände und Füße.
  • Ab 19.00 Uhr geht unser Verdauungssystem schlafen (s.o.), vermeide so Einschlaf- bzw. Durchschlafstörungen, sowie Verdauungsprobleme.
  • Warmes Wasser unterstützt die Verdauung, hat keine Kalorien und löscht am besten den Durst.
  • Mit allen 5 Geschmäckern in einem Gericht wird nicht nur jedes Organ gut versorgt, sondern auch das Essen schmeckt rund, man hat nicht das Gefühl, da fehlt noch etwas.

Gesunde Ernährung ist einfach, wenn man sich an diesen simplen Grundregeln orientiert.
Bis zum nächsten mal
Alles Gute
Martina Blauth
Heilpraktikerin mit dem Fachgebiet Traditionelle Chinesische Medizin

Wir hoffen du fandest den Beitrag ebenso informativ wie wir. Wenn du mehr zu dem Thema wissen möchtest schreib uns oder schau dir die Webseite von Martina an.
http://www.martinablauth.de
Bis zum nächsten Mal
Danke für deine Aufmerksamkeit und alles Gute

Dein Team der
Tai Chi Akademie Kaiserslautern.