Mein Weg zur Kampfkunst – Teil 1

Ein herzliches Hallo,
schön das du auch heute wieder unseren Blog besuchst. Dieses mal haben wir etwas ganz besonderes Vorbereitet. Unser Meister Adelino Rondalli hat uns seinen langen Weg der Kampfkünste geschildert. Wir sind sehr stolz dir heute den ersten Teil seiner Geschichte präsentieren zu können und danken unserem Meister von ganzen Herzen für diesen Text.

Auch ich bin ein Schüler … (Sifu Adelino Rondalli)

Am Beginn stand der Fußball, in der Schulmannschaft drittes Schuljahr Volksschule. Bei einem Schulfest wurde ich von meinem Lehrer kurzerhand zum linken Läufer ernannt, ich war total ungeeignet, übergewichtig, untrainiert, unmotiviert und zu faul zum Laufen. Immerhin konnte ich bei dem Spiel aus dem Stand eine Vorlage geben und wir gewannen, ich glaube 1:0. Das war es dann auch mit dem Breitensport. Zwei Jahre später fand ich mit dem Florettfechten etwas, dass mir, meiner Lauffaulheit und meinen Körperausmaßen entgegen kam. Hier durfte ich auch endlich einmal meine Eigenschaft als Linkshänder ausüben. In der Schule war das nicht erlaubt und wurde von unseren „fähigen“ Pädagogen bestraft. Nach vier Jahren Fechtsport musste ich krankheitsbedingt einige Jahre auf Sport verzichten. Zu der damaligen Zeit wurde die Vipassana-Meditation und daraus die Anapana-Meditation immer populärer und ich entschloss mich, wenn schon nicht körperlichen Sport, dann doch mal das mit dem Geist (mal sehen ob einer da ist) zu versuchen.

Ellen (vorn rechts) beim Training der großen Yang Form

Das Tai Chi Training

Dies kam mir wieder sehr entgegen, da ich durch die Krankheit Schwierigkeiten mit dem Sprechen und mit meinem Bewegungsapparat hatte. Von hier aus war es nur ein kleiner Weg zu Yoga. Meine Behinderungen wurden weniger, aber immer noch konnte ich keine Bewegungen mit schnellen kraftvollen Abläufen ausführen. Bei einem Kuraufenthalt erwähnte einer der Ärzte wohl mehr aus Spaß ich soll doch Tai Chi machen.
Tai Chi, was ist denn das? Na ja, halt so langsame Bewegungen, wie sie die Chinesen machen.
Langsame Bewegungen? Was soll denn das, die mache ich doch sowieso? Egal. Wieder zu Hause hab ich mal nach Information gesucht und nichts gefunden. Mein Vater brachte mir aus der amerikanischen Bibliothek der High School ein englisches Buch mit, „The Essence And Application of Taijiquan“. Natürlich in Englisch, meine Begeisterung hielt sich in Grenzen.
Ich hab ein bisschen drin rumgeblättert, einige Textzeilen gelesen und die Bilder betrachtet.
Aha, ist im Ursprung eine Art der Selbstverteidigung und Kampf. Super! Genau was ich suche, langsam bewegen, kämpfen und endlich wieder Sport. Also los! Vor dem Spiegel meiner Mutter wurden die Haltungen und Bewegungen versucht und schon kam der Frust.
Gut. Ende. Geht so wohl nicht, aber vielleicht finde ich ja jemanden, der das schon kann und mir beibringt. Mal sehen was Judo ist, mal in Jui Jitsu reinschnuppern, Karate wurde auch angeboten, Ringen (ob griechisch oder römisch) war auch nix für mich, mein Körper war noch nicht so weit .Tai Chi war nicht zu finden. Ja, da gibt es was Chinesisches, in Sembach, also auf in den Bus und hin. Der Meister war ein kleiner farbiger Soldat, er stellte mich in die Reihe, wir waren insgesamt fünf Leute, und ab ging’s.
Nix mit langsam! Liegestützen auf den Faustknöchel und das auf Betonboden! Rumrennen und mit den Beinen schlenkern, die Arme irgendwie nach vorne, zur Seite und nach unten schlagen, hochspringen und Dehnübungen.
Ich war gleich fix und fertig, doch der Meister hetzte uns weiter über das Gelände. Dann endlich eine Pause. Es folgte eine Meditation. Ich hatte ja schon Erfahrung, aber im Stehen? Das war neu. Umgekehrte Bauchatmung. Den Meridianen mit der Vorstellungskraft folgen. Das fand ich sehr spannend. Es folgten zwei Jahre Schwerstarbeit für mich. Ich erlernte verschiedene Stände, Schläge, Tritte und Selbstverteidigungsanwendungen. Damals konnte ich mir nicht vorstellen, eine halbe Stunde auf einem Bein zu stehen, so wie er das bei der Meditation konnte. Doch nach und nach wuchsen meine Fähigkeiten. Leider wurde mein Unterricht dann unterbrochen, da mein mein Meister zum Millitärdienst in ein anderes Land versetzt wurde.

Wirklich erstaunlich war, dass meine körperlichen Beschwerden nun seit einem Jahr völlig verschwunden waren.

Meister Adelino Rondalli, ein lächeln das von Herzen kommt.

Meister Adelino Rondalli, ein lächeln das von Herzen kommt.

Hier endet der Teil 1 seiner Schilderung. Weiter geht es am nächsten Montag.
Mehr über unseren Meister kannst du unter folgendem Link erfahren.
Wir hoffen diese sehr persöhnlichen und ehrlichen Zeilen haben dir Mut für deinen eigenen Weg gemacht. Teile uns doch deine Gedanken dazu mit.
Wir und Meister Adelino selbst freuen und auf deine Kommentare.
Bis zur nächsten Woche und der Geschichte wie aus einem Schüler ein Meister wurde.

Alles Gute
Dein Team der Tai Chi Akademie