Übung macht den Meister aber wann wird es zu viel für Körper und Geist?

Bin ich im Übertraining?

Herzlich Willkommen lieber Leser,
unser Trainer Jörg Roth geht heute auf die Gefahren des Übertrainings ein.

Ich habe für euch meine Erfahrungen notiert und möchte auf folgende Frage eingehen:

Kann man wirklich zu viel trainieren?

Ja, man kann. Man glaubt es kaum, aber auch heute gibt es noch Schüler und Meister die zu viel trainieren, obwohl die meisten Trainierenden viel zu wenig Zeit investieren. Beides ist für den Trainingserfolgt schädlich. Meister Rondalli gab mir hierzu folgende Geschichte mit auf den Weg:
Ein Schüler fragte seinen Meister wie viele Jahre er Kung Fu trainieren müsse, um ein Meister zu werden. Der Meister überlegte kurz und antwortete: “10 Jahre!“ Der Schüler war ungeduldig und fragte deshalb: “Und wenn ich jeden Tag hart trainiere?“ Darauf entgegnete der Meister lächelnd: “20 Jahre!“
Ich war anfangs auch wie dieser Schüler – ungeduldig, besessen vom schnellen Erfolg oder einfach nur stur. Schnell musste ich aber lernen, dass diese Geschichte der Wahrheit entspricht. Ein Übertraining ist fast noch schädlicher als die Faulheit. Ein Schüler der einfach nicht übt, wird nie Meisterschaft erlangen und früher oder später die Lust verlieren. Ein übermotivierter Schüler hingegen brennt sehr schnell aus und der Körper wird geschwächt. Schnell schleichen sich Fehler ein, die durch Mangel an Ruhezeiten und der daraus resultierenden schlechten Konzentrationsfähigkeit verursacht werden. Wer dann stur weitertrainiert wird sich sehr bald verletzen, viele Mediziner bringen sogar Nervenschäden mit ständigem Übertraining in Verbindung, was ich aus eigener Erfahrung zum Glück nicht bestätigen kann.

Im Shaolintempel wird von Montag bis Freitag trainiert. Samstag und Sonntag sind immer Trainingsfrei!

Im Shaolintempel wird von Montag bis Freitag trainiert. Samstag und Sonntag sind immer Trainingsfrei!

Zeichen für Übertraining können sein:

  • Lustlosigkeit: Wenn der innere Schweinehund ungewöhnlich stark wird
  • stärker als normal auftretender Muskelkater
  • trotz hoher Trainingsintensivität bleiben Fortschritte aus oder es machen sich sogar Verschlechterungen bemerkbar
  • Rastlosigkeit und fehlende Konzentration in allen Lebenslagen sowie gesteigerte Aggressivität
  • Müdigkeit oder gar Depressionen
  • Gelenk und Gliederschmerzen
  • Anfälligkeit für Krankheiten

Hierzu habe ich auf der folgenden Seite einen sehr tiefgreifenden und gut erklärten Beitrag gefunden.
http://www.marathonfitness.de/uebertraining-symptome-erkennen/
Die Symptome steigern sich bis hin zum absoluten Zusammenbruch. Leider ist es schwer eine direkte Regel für Trainingspausen oder Ruhezeiten aufzuschreiben, da jeder Mensch verschieden auf Belastungen reagiert. Sicher ist aber, dass ein tägliches Training über viele Stunden auf Dauer nicht gesund ist. Meine Regel ist 2 bis 3 Tage Training. Danach folgen 2 Tage Regeneration. Und ganz wichtig, wenn ich wirklich Müde bin und Erschöpfungsanzeichen habe, dann trainiere ich eben auch mal nicht. Der Körper versucht ständig mit uns zu kommunizieren, wir müssen nur auf ihn hören lernen. Wenn wir seine immer lauter werdende Stimme ständig ignorieren, dann zeigt er uns, meiner Erfahrung nach sehr schnell wer wirklich der Boss ist.
Natürlich kann man zwischen drin auch mal eine Leistungswoche oder ähnliches einlegen. Die Grenzen austesten oder gar etwas erweitern. Z.B. Habe ich im Shaolintempel, in China, 2,5 Wochen trainiert. Ruhetage hatte ich in dieser Zeit nur 4 über den Zeitraum verteilt. Solche Sondereinheiten sollten erfahren und ausgekostet werden, jedoch muss danach eine angemessene Regeneration eingeplant werden. Ignoriert man diese Regel, wird eine solche Reise auch schnell zum Horrortripp, gefolgt von absoluter Erschöpfung. Ich bin hin und wieder wirklich ein Fan von solchen Leistungswochen, aber ich höre stehst auf meinen Körper und wenn er wirklich keinen Bock mehr hat, ist eben ein freier Tag angesagt oder auch zwei. Diese Entscheidung ist nicht immer leicht, da sie sich erstmal nach Aufgeben anfühlt. Im Nachhinein merkt man aber schnell, dass sich schonen eher mit Intelligenz als mit Schwäche zu tun hat. In diesem Sinne möchte ich dir gegen Ende noch folgendes ans Herz legen:

WIR SIND LEISTUNGSSPORTLER ABER DIE WENIGSTEN VON UNS SIND BERUFSSPORTLER. DAS BEDEUTET, DIE MEISTEN VON UNS MACHEN IHR HOBBY FREIWILLIG. ALSO WENN ES PLÖTZLICH KEINERLEI SPASS MEHR MACHT, SOLLTE MAN SICH VIELLEICHT ÜBERLEGEN, OB MAN ES NICHT ÜBERTRIEBEN HAT. WIR MÜSSEN NUR EINER PERSON IN DIESER WELT ETWAS BEWEISEN: UNS SELBST! DAZU GEHÖRT AUCH ZU WISSEN WANN ES GENUG IST!
SPORT IST GESUND, ABER WIE BEI ALLEN GESUNDEN DINGEN KOMMT ES AUF DIE DOSIS AN!

Zwischen den 6 Stunden Training am Tag kann man sich wunderbar im Tempelhof regenerieren.

Zwischen den 6 Stunden Training am Tag kann man sich wunderbar im Tempelhof regenerieren.

Des Weiteren möchte ich noch darauf hinweisen, dass ich bin kein Mediziner bin. Falls du mehr zu diesem Thema wissen willst, rede mit deinem Arzt, er kann dir sicher hilfreiche Tips geben.
Alles Gute und viel Spaß beim Training
Dein
Jörg Roth

So lieber Leser, nun bist du wieder an der Reihe. Was sind deine Erfahrungen? Welchen Trainingsplan verfolgst du?
Wir freuen uns auf deine Kommentare und das Teilen unseres Blogs.
Bis zum nächsten Mal
Das Team der Tai Chi Akademie Kaiserslautern

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