Kung Fu beim Cosplaytag 2018

Herzlich Willkommen zu unserem neuen Blogeintrag, 
heute möchte euch Lena ein bisschen an den Geschehnissen des 23.06.2018 teilhaben lassen. An diesem Tag gastierte unser Showteam beim Cosplaytag im japanischen Garten und konnte nicht nur mit unseren Kampfkünsten begeistern. 
Lest selbst… 
 
 

Unser Cosplayteam (mit Lena als Junkrat, aus Overwatch)

 
Hallo mein Name ist Lena und ich bin seit einem Jahr in der Tai Chi Akademie aktiv. 
 
Der diesjährige Cosplay-Tag im japanischen Garten Kaiserslautern fand am 23.06.2018 statt. Unser Showteam war mit zwei Vorführungen teil des Programms. Hier konnten wir unser Können zeigen und entführten das Publikum in unsere Welt der Kampfküste.
 
Jedoch bestand der Cosplay-Tag für uns nicht nur aus den Auftritten. Einige von uns sind selbst Cosplayer und so trafen wir uns schon gegen Mittag in unseren Kostümen, um ein bisschen Spaß zu haben. Wir mischten uns unter die Leute und nahmen mit 3 Personen sogar erfolgreich am Cosplay-Wettbewerb teil.
 
Kurz darauf mussten wir uns auch schon für die Show vorbereiten. Die Vorbereitung bestand aus einem gemeinsamen Aufwärmen auf dem Rondelle, wobei wir den anwesenden Gästen einen Einblick in unseren Trainingsablauf gewährten. So liefen wir gemeinsam eine Runde durch den japanischen Garten, führten synchron unsere Stretchkicks aus und zeigten leichte Dehnübungen,  die wichtig sind um Verletzungen zu vermeiden. 
 

Unsere klassische Aufstellung zu den dynamischen Dehnübungen.

 
Im Anschluss daran begann auch schon die erste Show.
Um uns an die Thematik der Animewelt anzupassen bestand unsere Begleitmusik aus bekannten Melodien wie z.B. dem Titelsong von Prinzessin Mononoke, einem Stück aus Naruto oder dem Soundtrack von Kung Fu Panda. 
Eingeleitet wurde die Show mit einer Fächerform aus dem Tai Chi, gezeigt von unserer Ellen.
 

Ellen bei Ihrer Fächerform als Prinzessin Mononoke

 
Gefolgt von einer Gruppe, bei der auch ich ein Teil war, welche die erste und zweite Kung Fu Form präsentierte.
Nach der Gruppe war es an Jörg welcher die Yin Shou Gun, eine Stockform, zeigte. Die Form endete mit einer kurzen gemeinsame Überleitung mit Ragib, der mit einer Großhellebarde, der Guan Dao des General Guan Yu, begeistern konnte.
 

Ragib und seine Hellebarde

 
Die Waffenkämpfer ablösend kam es jetzt zu einem inszenierten Faustkampf. Hierbei musste sich Ellen gegen 4 Angreifer verteidigen. Als sie die Gegner mit Leichtigkeit abwehren konnte, betrat Joshua die Fläche und es kam zu einer Art von “Bosskampf “. Der anmutend in Slow Motion ausgeführt wurde. Auch hier konnte sich Ellen wieder beweisen und obsiegte.
 
Zum Schluss erstürmte Jörg nochmal mit einer akrobatischen Tigerform, der Hu Quan, den Kampfplatz. 
Dann betrat noch einmal die ganze Gruppe den Rasen, um den begeisterten Applaus des Publikums entgegen zu nehmen.
 

Unser Showteam im Finale der Show

 
Als die Begeisterung nicht abebben wollte, hatte Jörg noch eine kleine Zugabe im Gepäck. Bewaffnet mit seinem Lichtschwertreplik, zeigte er eine Shaolin-Säbelform und verdeutlichte damit die enge Verbindung der chinesischen Kampfkünste und der Filmidee von George Lucas. 
 

Star Wars meets Shaolin Kung Fu …

 
Zwei Stunden später präsentierten wir unsere Show noch einmal. Jedoch hatten wir uns in der Zwischenzeit etwas einfallen lassen, um nicht eintönig zu werden. So betraten nun die Meisten von uns in Cosplay oder mit geschminkten Masken aus Animefilmen das Rondelle.  Damit konnten wir die Begeisterung der Zuschauer noch einmal steigern. Nun bin ich aber auch schon am Ende meines Berichtes und hoffe dem Einen oder Anderen hat er gefallen.
 
Alles Gute,
Lena
 
 
Hiermit bedanken wir uns bei Lena für den Bericht und ganz herzlich bei unserem Showteam. Mit Ihrem Einsatz haben sie eine ganz besondere Show und einen der Höhepunkte des Cosplaytags im japanischen Garten erschaffen. 
Nun fragen wir euch. Habt Ihr Vorschläge für unsere nächste Cosplayshow? Oder gibt es eine Kung Fu Form, die Ihr gern mal sehen möchtet? 
 
Des weiteren möchten wir darauf hinweisen, dass unser Showteam natürlich für Feste oder Schulveranstaltungen gebucht werden kann. Ob in Cosplaykostümen oder in den klassischen Kung Fu-Anzügen, das bleibt euch überlassen. Gerne bereiten wir auch passende Vorführungen zu eurem speziellen Event vor. 
 
Nun sagen wir bis zum nächsten Mal!
 
Alles Gute,
euer Team der Tai Chi Akademie Kaiserslautern 

Selbstverteidigung und Notwehr

 

Hallo Zusammen,

 

in unserem heutigen Text beschäftigen wir uns mit einem, im Moment in unseren Medien sehr präsenten, Thema: Selbstverteidigung und Notwehr.

 

Unsere beiden Kung Fu Meister, Dirk und Markus, lehren dir effektive Techniken für den Ernstfall.

 

Was ist Notwehr?

 

Diese Frage möchten wir mit der folgenden Aufzählung beantworten.
 

§ 32 Notwehr

(1) Wer eine Tat begeht, die durch Notwehr geboten ist, handelt nicht rechtswidrig.
(2) Notwehr ist die Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden.

 

Notwehr setzt objektiv eine Notwehrlage, eine Notwehrhandlung und subjektiv Verteidigungsabsicht voraus.

 

I. Notwehrlage

1. Angriff auf Rechtsgut
Ein Angriff ist jede durch eine menschliche Handlung drohende Verletzung rechtlich geschützter individueller Güter oder Interessen.

 

2. gegenwärtig
Ein Angriff ist gegenwärtig, wenn er unmittelbar bevorsteht, gerade stattfindet oder noch fortdauert.

 

3. rechtswidrig
Der Angriff ist rechtswidrig, wenn der Angreifer seinerseits nicht gerechtfertigt ist bzw. das Opfer nicht zur Duldung verpflichtet ist.

 

 

II. Notwehrhandlung

1. Erforderlichkeit

Eine Verteidigungshandlung ist erforderlich, wenn sie auf die schonendste Weise mit dem mildesten zur Verfügung stehenden Mittel den Angriff effektiv und endgültig abwehren kann. Der Angegriffene muss sich nicht auf das Risiko einer ungenügenden Abwehrhandlung einlassen.

 

a) Geeignetheit

Ausreichend ist, dass die Verteidigungshandlung den Angriff in seiner konkreten Gestalt wenigstens erschwert.

 

b) Mildestes Mittel

Unter mehreren gleichwirksamen Möglichkeiten ist diejenige zu wählen, die den geringsten Schaden anrichtet.

 

 

2. Gebotenheit/Ausnahmen

a) Ausnahmsweise unterliegt das Notwehrrecht Einschränkungen. Dies ist der Fall, bei:
– schuldlos handelnden Angreifern (z.B. Kinder)
– fahrlässiger Provokation des Angriffs durch Angegriffenen

 

Dann gilt:

(1) Zuerst Ausweichen/ Hilfe Dritter in Anspruch nehmen, ist dies nicht möglich

(2) Verhältnismäßige Schutzwehr, ist dies nicht möglich

(3) Verhältnismäßige Trutzwehr.

 

b) Ausnahmsweise ist das Notwehrrecht nicht gegeben. Dies ist der Fall, bei:
– einem krassen Missverhältnis zwischen den Folgen der Verteidigung und der drohenden Verletzung des Angriffs
Bagatellangriffen (dort ist nur eine proportionale Verteidigung zulässig)
Absichtsprovokation

 

Eine Absichtsprovokation begeht, wer zielstrebig, absichtlich durch ein rechtswidriges Verhalten einen Angriff herausfordert, um den Gegner unter dem Deckmantel der äußerlich gegebenen objektiven Notwehrlage verletzen zu können.

 

 

III. Subjektives Rechtfertigungselement

Verteidigungswille

Der in Notwehr handelnde muss dem Angriff mit Verteidigungswillen entgegentreten, also mit der Absicht, den Angriff abzuwehren oder zumindest abzuschwächen.

 

Die Verteidigungstechniken in unserem Training geben dir die Möglichkeit und das Wissen, eine angemessene Verteidigungsreaktion einschätzen zu können.

 

Mit diesem Satz möchten wir dieses Thema in unserem Blog abschließen. Natürlich gibt es noch viel mehr zu sagen, aber das würde unseren Rahmen hier komplett sprengen. Wir hoffen ihr fandet unsere Ausarbeitung interessant, gebt uns einen Daumen hoch und hinterlasst uns einen Kommentar.

 

War schon mal jemand von euch in einer heiklen Situation?
Wie war eure Wahrnehmung in diesem Moment? Wie konntet ihr den Konflikt lösen?

 

Lasst es uns wissen.

 

 

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit und bis bald,

hier im Blog der Tai Chi Akademie e.V. Kaiserslautern

Waffenrecht in den Kampfkünsten

Hallo Zusammen, 
Unseren heutigen Beitrag möchten wir nutzen um auf ein sehr wichtiges Thema einzugehen.
Wie verhält es sich mit dem Waffenrecht in Deutschland, wenn es um Kampfkunst geht?
 
Dieser Beitrag sollte von allen Schülern und Erziehungsberechtigten, die sich mit Kampfkünsten beschäftigen, gelesen werden.
 
Im Blog der Webseite www.Budoten.de, wurde in den letzten Wochen ein sehr gut verfasster Text zu diesem sehr kniffligen Thema veröffentlicht. 
Wir möchten euch hiermit die Möglichkeit geben Probleme und Missgeschicke, welche auf Unwissenheit beruhen, zu vermeiden. 
 
In den Text findet Ihr Hinweise zur Lagerung, Handhabung und dem Transport eurer Trainingswaffen. 
 
Hier ist der Link zum Beitrag von Budoten:
 
Solltet ihr zu diesem Thema Fragen haben, so scheut nicht diese an uns weiterzuleiten. 
 
Nun möchten wir euch allen viel Freude beim Training wünschen und sagen
Tschüss
Bis zum nächsten Mal in unserem Blog
 
Alles Gute
Euer Team der Tai Chi Akademie Kaiserslautern e.V.

Selbstverteidigung beginnt im Kopf

Hallo lieber Leser,
 
Mein Name ist Markus Lesmeister, ich bin einer der unterrichtenden Kung Fu Meister der Tai Chi Akademie Kaiserslautern. In unserem heutigen Blog möchte ich auf eine jetzt mehr oder weniger aktuelle Frage eingehen.
“Ist das Erlernen von Techniken zur Selbstverteidigung heute überhaupt noch wichtig, oder gar nötig“.
 

Unsere Kung Fu Meister Dirk und Markus beim Kampftraining.

Unsere Kung Fu Meister Dirk und Markus beim Kampftraining.

Als unser Trainer Jörg mit der Bitte um diesen Text vor ca. 4 Wochen an mich herangetreten ist, habe ich angefangen mich mit dem Thema noch einmal tiefer auseinander zu setzen. Zu diesem Zeitpunkt waren die aktuellen, sehr bedenklichen Ereignisse noch in weiter Ferne. Trotz allem möchte ich die Frage ungeachtet dessen was geschehen ist aufgreifen und sie, Ereignis neutral, erörtern.
 
Wie bei allem bemüht man sich erst einmal einer genauen Definition, schaut bei der Weltgrößten Bibliothek nach und findet dort folgende Eintragung:
“Als Selbstverteidigung wird die Vermeidung und die Abwehr von Angriffen auf die seelische oder körperliche Unversehrtheit eines Menschen bezeichnet.“
 
Zu Beginn schossen mir tausend Dinge durch den Kopf, doch in den 25 Jahren in denen ich meinen Sport nun betreibe, habe ich eines festgestellt. Egal welche Tätigkeit ich ausübte, egal wo ich auf der Welt war, was ich tat oder tun wollte, meine geistige Haltung (mentale Verfassung) war immer wichtiger als meine körperliche. Also nähere ich mich der Frage mal von einer anderen als der gewohnten Seite. Und hier fängt dann auch schon die Reise an. Ich habe mit 16 Jahren, also recht spät, mit Kampfsport angefangen und über die Jahre erst die Kampfkunst, also das tiefgründige hinter dem Sport, entdeckt. Ich war ein eher unscheinbarer und nicht gerade selbstbewusster Mensch mit den ein oder anderen Defiziten im Selbstbewusstsein. So war es für mich das größte Lernfeld, mich lediglich oder eben nur (je nachdem wie man es sieht) durch Leistung und mein Handeln „hocharbeiten“ zu müssen bzw. können. Wobei um ehrlich zu bleiben, die Leistung welche zu Beginn meines „Studiums“ erbracht werden musste, sich lediglich auf meinen Körper beschränkte. Die mentale Entwicklung setzte leicht zeitverzögert, mit der zunehmend wachsender Ernsthaftigkeit ein.
 
Ich merkte also doch sehr schnell, dass ohne Geist und Wille nichts geht. Hier musste ich also ansetzen…..
Wille!?

Aha, es ist also der Impuls welcher Nötig ist, zur Verwirklichung eigener Ziele. Aber welchen Sinn hat es denn, so etwas kompliziertes und aufwendiges erlernen zu wollen?; was soll das Ziel sein, wo soll es enden? . Hmmmm
Sinn?!
Also welchen Zweck hat es, was ist der Grund warum ich Kampfkunst lernen will oder soll;
Ziel?!
Also welchen definierten Zustand möchte ich denn erreichen?
Meine Geistige Haltung nahm also Gestalt an:
WILLE, SINN, ZIEL waren die Fragen –> EHRE, RESPEKT, ANERKENNUNG die Antworten die ich immer öfter bekam.
 

Die beiden Kung Fu Brüder trainieren seit ca 25 Jahren zusammen. Ihr Spezialgebiet ist der die kämpferische Anwendung des traditionellen Kung Fu.

Die beiden Kung Fu Brüder trainieren seit ca 25 Jahren zusammen. Ihr Spezialgebiet ist der die kämpferische Anwendung des traditionellen Kung Fu.

Ja Himmel, was hat denn das mit der Selbstverteidigung zu tun werdet ihr euch sicher Fragen, …….für mich sehr viel.
 
Für mich fängt die Verteidigung meiner selbst mit meinem Auftreten (der Körperspannung) und der inneren Haltung (der Wachsamkeit des Geistes ) an und bewegt sich dann über meine Physis hin zu meinem Gegner.
 
Eine Studie über Viktimologie in den USA nach welcher Typologie sich Verbrecher ihre Opfer aussuchen brachte zu Tage, dass die Körperhaltung und unsicheres Auftreten die Hauptkritiken bei spontanen Angriffen, für deren Auswahl waren. Also führt selbstsicheres auftreten und das Bewusstsein in einer gefährlichen Situation sich seiner selbst erwehren zu können im Umkehrschluss zu mehr Sicherheit und somit zu weniger Risiko. Das alleine bestätigt mich, dass ich das, was vergangene Generationen in ihrem Alltag zum überleben unabdingbar benötigten, heute zwar nicht mehr zum überleben im Alltag notwendig ist, wohl aber zur Prävention und zur Deeskalation in besonderen Situationen.
 
Aber zurück zu der Frage was hat das mit der Wichtigkeit und dem erlernen von Selbst-verteidigung zu tun? Durch das Studieren von Techniken, dem Auseinandersetzen mit fiktiven und realen Situationen erlange ich durch Übung, Sicherheit. Sicherheit geht in Routine über und Routine führt zu richtigen Reaktionen und zu guten Reflexen in den Situationen in denen ich diese benötige. Durch die richtigen Reflexe verhilft mir die Routine wiederum den Überblick zu bewahren und somit gewinne ich die Zeit, um das vermeintlich richtige zu tun. Aber was bringt mir das alles? Nun in unserem täglichen Leben praktizieren wir das bereits in vielen Bereichen immer und immer wieder, z.T. sogar minütlich, beispielsweise im Beruf oder beim Autofahren. Oder warum wird sonst zur Fahrschule und der täglichen Praxis ein Fahrsicherheitstraining angeboten? OK, aber muss ich denn üben was ich vermeintlich nie brauche? Unter Umständen schon, denn hoffentlich muss auch niemand sein Können beim Über- oder Untersteuern seines Fahrzeuges unter Beweis stellen. Aber toll ist es doch wenn man es kann und somit viel sicherer fährt. Ja soll denn jetzt jeder lernen sich selbst verteidigen zu können? Nö, nur die, die etwas sicherer unterwegs sein wollen.
 
Alles Gute
Markus Lesmeister
 
Wie hat dir der Blog gefallen? Schreib uns einfach deine Meinung. Hast du Anregungen oder Erfahrungen gemacht die du mit uns teilen möchtest? In 4 Wochen geht es weiter mit diesem Thema
Lass es uns wissen.
Bis zum nächsten Mal.
Dein Team der Tai Chi Akademie

Aus der Waffenkammer der Kampfkünste Teil 2

 

Herzlich Willkommen zu unserem ersten Blog im Jahre 2016. Wir hoffen du hattest einen guten Start ins neue Jahr.

 

In unserem Text betreten wir erneut die Waffenkammer der Kampfkünste. Unser Mitglied Jörg Roth möchte heute eine seiner Lieblingswaffen des Kung fu vorstellen.

 

 

Aus der Waffenkammer der Kampfkünste Teil 2

Die Guan Dao.

(chinesisch 關刀 guan dāo: „ Das Messer des Guan“)

 

Diese wunderschöne Stangenwaffe hat ihren Namen von einem der bekanntesten Protagonisten aus der Zeit der drei Reiche. Guan Yu war General auf der Seite des Shu-Han Reiches unter der Herrschaft von Liu Bai. Guan Yu (Lebenszeit 160–219 n. Chr.) galt mit dieser Waffe als unbesiegbar und wird noch heute von vielen Menschen auf der ganzen Welt für seine überlieferte Treue, seinen Mut und seine Güte verehrt. Sein Grabmal bildet das Zentrum eines daoistischen Tempels in der Stadt Luoyang, der zu seinen Ehren erbaut wurde. Dieser Ort war natürlich ein Ziel bei meiner letzten Chinareise. Es war ein großartiges Gefühl, dort zu seinen Ehren Räucherkerzen anzuzünden und ein wenig zu verweilen.

 

Jörg Roth unterrichtet die Guan Dao in unserem Verein.

Jörg Roth unterrichtet die Guan Dao in unserem Verein.

 

Nun aber zur Guan Dao, der Drachenhellebarde. In den Erzählungen aus den Schlachten der 3 Reiche wird die Waffe als riesige Hellebarde mit einem Gewicht von ca. 45 Kilogramm beschrieben. Ich persönlich bin der Meinung, dass diese Angaben in das Reich der Mythen gehören. Dies wird sofort klar, wenn man sich traditionelle und zeitgenössische Darstellungen des Generals anschaut. Guan Yu führte diese Waffe anscheinend oft zu Pferd, also einhändig. Mit einem solchen Gewicht wäre die Waffe sicherlich beeindruckend gewesen, aber in einem Kampf oder auf einem Tagesritt absolut fehl am Platz. Es mag ja sein, dass es eine solch schwere und dementsprechend imposante Waffe für Paraden oder ähnliches gab, aber gekämpft wurde damit sicherlich nicht.

 

Eine etwas übertriebene Version der Hellebarde im Guan Lin Tempel in Luoyang

Eine etwas übertriebene Version der Hellebarde im Guan Lin Tempel in Luoyang

Vor einigen Jahren habe ich eine angeblich historisch korrekte Guan Dao gekauft. Die Daten dieser Waffe sind wie folgt:

 

Gesamtgewicht: 5,00 kg
Klingenlänge: 63,00 cm
Klingenstärke: 0,60 cm
Gesamtlänge: 200,00 cm

 

Die Form der Klinge ist nicht nur wunderschön, sondern auch sehr praktisch. Das Klingenblatt ist eine etwas größere Version einer Säbelklinge. Auf dem Klingenrücken ist sie jedoch nicht glatt und stumpf. Die Spitze des Klingenrückens ist ebenfalls geschärft und nach einer Weile folgt eine Art geschärfter Haken. Dieser eignet sich wundervoll für das Parieren und Fixieren von Stangenwaffen. Damit ist es mit ein wenig Übung ein leichtes, Stöcke oder ähnliches abzufangen und stellenweise sogar zu brechen. Die Klinge ist in Gedenken an die „Hellebarde des Grünen Drachen” (wie man General Guan auch nannte) mit einem Drachenmotiv verziert. Traditionell haben diese Waffen eine Art Drachenmaul, aus der die Schwertangel in die Klinge übergeht. Meist sind diese wohl aus Bronze gearbeitet gewesen.

 

In manchen Museen in China kann man Originale bewundern. Beispielsweise im historischen Museum von Luoyang. Auf das Drachenmaul folgt eine kleine Parierscheibe aus Metall. Die Stange war anscheinend meist aus Holz, da bei den Originalfunden keine Verbindungsstangen mehr gefunden wurden. In den Jahren in der Erde Chinas sind diese der Zersetzung zum Opfer gefallen. Am anderen Ende der Stange sieht man sehr schön, dass die Waffe auch zu Pferd genutzt werden konnte. Das Gegengewicht zur Klinge wird nicht, wie bei vielen Übungswaffen, von einem scharfen Speer gebildet, sondern durch eine Art stumpfen Morgenstern. Ein scharfes, spitzes Ende würde beim Reiten sicherlich die Flanke des Pferdes verletzten.

 

Ich mag diese Ausführung der Waffe sehr, sie ist perfekt ausbalanciert und die Klinge ist scharf, was ihr beim trainieren den gebührenden Respekt verleiht. Hin und wieder ist es sehr gut mit echten scharfen Klingen zu trainieren, wie ich finde. Die Bewegungsgeschwindigkeit wird mit einer schweren scharfen Waffe sofort langsamer. Der respektvolle Umgang mit dem Übungsgerät lässt einen die Bewegungen sauberer erlernen, als mit einer leichten stumpfen Waffe und Fehler tun sofort weh. Es schult die Achtsamkeit.

 

Jörg Roth am Grab des heldenhaften Guan Yu im Guan Lin Tempel

Jörg Roth am Grab des heldenhaften Guan Yu im Guan Lin Tempel

 

Zu dem Bewegungsmuster der Guan Dao:

 

Ist das Gewicht der Hellebarde erst mal in Bewegung, lässt man den Körper der Waffe folgen. Bei schnellen Bewegungen ist ein plötzlicher Richtungswechsel fast nicht möglich. Aus diesem Grund bewegt man sich mit der Guan Dao stetig in Rotationen und Kreisen. Man behält die Waffe so lange in Bewegung, bis man ihre volle Wucht in einem Schlag bündelt. Die Fliehkraft der Waffe wird dann in einem festen Stand unter enormen Kraftaufwand gestoppt. Die Waffe verbindet, wenn man genügend Bewegungsfreiraum hat, meiner Meinung nach, die positiven Eigenschaften von Stock, Speer und Säbel. Negativ ist hingegen ihre enorme Größe, das Gewicht und die etwas eingeschränkte Handhabung.

 

Auf freiem Feld war diese Waffe wahrscheinlich gegen 200 n. Chr. eine wirkliche Bedrohung für die Fußsoldaten. Ein geübter Kämpfer konnte mit ihr sicherlich gegen mehrere Feinde gleichzeitig bestehen und Furcht in den gegnerischen Reihen schüren. Die Fußsoldaten der damaligen Zeit waren meist mit Säbeln und Schilden oder mit Speeren bewaffnet. Die Guan Dao konnte beide dieser Waffen in sich vereinen und gab dem Kämpfer einen Vorteil. Außerdem war es, wie ich aus einem kleinen Versuch nachvollziehen kann, wohl ziemlich schwer, einen kraftvollen Schlag der Hellebarde mit einem einhändig geführten Rund-Schild zu parieren. Die auftreffende Kraft bringt das Schild und den Träger buchstäblich aus der Balance.

 

Einer der Altäre zu Ehren von Gerneral Guan Yu

Einer der Altäre zu Ehren von Gerneral Guan Yu

 

Zum Schluss möchte ich noch kurz auf die Guan Dao Form, welche ich im Shaolin Tempel in China lernen durfte, eingehen. Ich hatte darauf bestanden eine alte Kampfform zu lernen. Diese beinhaltet keinerlei Sprünge oder akrobatische Strukturen. Sie wird eingeleitet durch einen kraftvollen Hieb von unten nach oben – schon bei dieser Bewegung macht einem die Waffe klar, dass sie ein wundervolles Krafttrainingsgerät ist.

 

Eine der schwersten Passagen ist immer noch eine Stelle, an der man aus der Rotation der Waffe ihr Gewicht in einem einbeinigen Stand auffangen muss. Und das ohne zu wackeln.

 

Die Waffe wird hauptsächlich von der rechten Hand geführt. Die Linke kommt meist nur bei Hieben und dem Stoppen der Klingenrotation zum Einsatz. Das Training mit der Guan Dao hat mir daher einen Muskel auf dem rechten Schulterblatt beschert, der gut sichtbar ausgeprägt und auf der linken Seite nicht vorhanden ist. Man sollte ab und zu auch mit der linken Hand trainieren, da sich sonst auch die Unterarmmuskulatur einseitig ausbildet.

 

Wir unterrichten eine sehr alte Guan Dao Form, die Jörg Roth im Shaolin Tempel in China, von den Kampfmönchen, erlernt hat.

Wir unterrichten eine sehr alte Guan Dao Form, die Jörg Roth im Shaolin Tempel in China, von den Kampfmönchen, erlernt hat.

 

Ich hoffe dir hat der kleine Bericht über die Hellebarde des Guan Yu gefallen. Mehr zu der Waffe und zu ihrem sagenumwobenen Schöpfer kannst du z.B. in den Büchern von Luo Guanzhong ( Die Geschichte der drei Reiche ) lesen. Doch hier ist zu bedenken, dass diese Romane erst gegen 1522 geschrieben wurden. Sie bestehen aus historischen Überlieferungen, gepaart mit Legenden und Ausschmückungen des Autors. Neben Sanguo zhi pinghua (Volkstümliche Erzählung der Geschichte der Drei Reiche) gelten die Bücher von Luo Guanzhon aber immernoch als Informationquelle zu dieser turbulenten Zeit.

 

Bis zum nächsten mal .
Jörg Roth

 

 

Wir hoffen du hattest Freude an unserem kleinen Bericht und wünschen Dir ein glückliches und kraftvolles 2016. Du hast Fragen zu weiteren exotischen Waffen? Kein Problem. Hinterlasse uns einfach einen Kommentar.

 

Danke fürs reinschauen und bis bald,

Dein Team des Tai Chi Akademie Kaiserslautern e.V.

Shaolin Training wie im Film …

 

Hallo, schön, dass du wieder bei uns reinschaust.

 

Nun, da die Tage kürzer werden, möchten wir ein bisschen in Erinnerungen schwelgen und dich noch einmal mit auf die Chinareise unserer beiden Mitglieder Jaap Sanders und Jörg Roth nehmen. Am dritten Tag ihrer Reise wurden sie mit einem wirklich harten Training verwöhnt. Geschwollene, blaue Hände gab es gratis dazu…

Viel Spaß beim Lesen.

 

 

Hier ist mal wieder Jörg Roth,

 

ich möchte euch vom dritten Tag der Chinareise erzählen, an dem unser erstes richtiges Training stattfand. Nach einem reichhaltigen Frühstück (mit Kaffee!) nahmen wir unsere Waffen und machten uns um 8.15 Uhr auf den Weg zum Tempel.

 

Ein seltener Anblick! Das Tor des Shaolintempels ohne Touristen.

Ein seltener Anblick! Das Tor des Shaolintempels ohne Touristen.

 

Nachdem ich am Shakyamuni Schrein meine Niederwerfungen gemacht hatte, begannen wir selbstständig mit Aufwärmen und dem Stretching. Unser Shifu hatte uns erlaubt, dies alleine zu machen, um dann um 9 Uhr unter seiner Leitung direkt mit den Basics anzufangen. Somit gewannen wir Trainingszeit für unsere Formen. Nach den genannten Basisübungen (Stände, Schrittfolgen, usw.) folgten wir unserem Meister nach draußen. In einer der Unterkünfte der Kampfmönche wurden wir mit Trainingsmaterialien ausgestattet. Sie bestanden aus einer Art Betoncattlebell, 3 Säckchen mit Sand und einem Säckchen mit Kugellagerkugeln. Damit ging es nach draußen zu einem kleinen Schrein mit kleinen Treppen und Mauern.

 

Diese Pagode steht im Seitenflügel des Tempels, zu dem die Touristenströme keinen Zutritt haben.

Diese Pagode steht im Seitenflügel des Tempels, zu dem die Touristenströme keinen Zutritt haben.

 

Langsam wurde mir klar was auf uns zukam. Abhärtung und Krafttraining. Ich bekam zum Hand-Abhärten gleich mal das böse Säckchen mit den Metallkugeln. Es folgten 200 Handkantenschläge im Pferdestand (Ma Bu) auf das auf einer Mauer liegende Säckchen. Dann kamen zweihundert Schläge mit der Handfläche und dann waren die Handrücken dran. Bei jedem Schlag sollte die Hand über den eigenen Kopf angehoben werden und dann mit Energie auf das Ziel treffen. Schon nach der ersten Runde war mein linker Handrücken leicht blutunterlaufen.

 

Dieses Training ist effektiv aber schmerzhaft. Das verrückte ist, es macht auch noch Spaß.

Dieses Training ist effektiv aber schmerzhaft. Das verrückte ist, es macht auch noch Spaß.

 

Es ging weiter mit Krafttraining. Im Pferdestand führten wir einige Cattlebellübungen aus. 20 mal vom Boden anheben und über den Kopf Strecken, dann 20 mal um die Beine kreisen, dann mit Schwung und gestrecktem Arm das Gewicht von zwischen den Beinen aus pendelnd nach vorn Schleudern und es dann leicht nach oben werfen, um es mit der anderen Hand auf Kopfhöhe zu fangen. Hiernach mussten wir das Gewicht von den leicht gekrümmten Fingerspitzen mit der Kraft der Finger und des Unterarms in die geschlossene Hand ziehen. Das war nach dem Abhärtungstraining echt garstig aber machbar. Dann kam das Schlimmste. Auf einem Bein stehend, den Fuß des anderen Beins durch den Griff des Cattlebells gesteckt, mussten wir das Bein 15 mal hochheben. Hier ist zu beachten, dass wir bereits die ganze Zeit im MaBu gestanden hatten. Naja, danach wurde uns eine 5 minütige Pause gegönnt.

 

Krafttraining made in China ...

Krafttraining made in China …

 

Neben uns trainierten die Jungs des Showteams. Einige davon waren bei meinem letzten Aufenthalt in Shaolin meine Meister gewesen. Da wir ja gerade eine Pause machten, wollten sie sehen, ob ich die damals gelernte GuanDao Form (Große Hellebarde) noch beherrsche. Ich ließ mich nicht zweimal bitten und zeigte ihnen meine Fortschritte. Nach dem absolvierten Training kam es mir vor, als ob die Waffe 20 Kilo schwer sei. Aber alles lief gut und die Jungs sowie mein neuer Shifu klatschten. Ich war sehr froh, dass das viele Üben sich bewährt hatte und ich die Form kraftvoll sowie auch fehlerfrei zeigen konnte.

 

Einige Jungs von der "Pausenaufsicht", genauer gesagt Freunde aus dem Showteam von Shaolin.

Einige Jungs von der “Pausenaufsicht”, genauer gesagt Freunde aus dem Showteam von Shaolin.

 

Schon war die Pause vorüber und Jaap und ich schnappten uns unsere neuen Waffen. Wir glaubten, das Aufwärmtraining sei vorbei. Leider mussten wir sie aber gleich wieder hinlegen. Uns erwartete noch eine Runde der beschriebenen Abhärtungs- und Kraftübungen. Total erschöpft und mit schmerzenden Händen begannen wir dann die ersten Schritte mit unseren neuen Waffen. Das ließ die müden Knochen schnell wieder munter werden und wir trainierten eisern bis 11 Uhr weiter.

 

Als wir entlassen wurden, zeigte ich Jaap die Medizinische Abteilung des Tempels. Dort versorgten wir uns mit einigen Wundermitteln aus der chinesischen Medizin. Endlich Mittagessen und ein bisschen Entspannen. Ich nutze die Zeit, um meine dick geschwollenen Hände zu kühlen. Seit der zweiten Runde Abhärtungstraining erinnerten meine Hände leicht an blaue Ballons. Naja, ich hoffte dennoch, wir würden das öfter machen. Wir hatten nicht viel Zeit zum Ausruhen, da es um 14 Uhr mit dem Training weiter gehen sollte. Die Zeit verging viel zu schnell und so joggten wir um 13.20 Uhr zum Tempel. Dort angekommen hieß es wieder, in Eigenregie, 5 mal den Hügel rauf und runter rennen usw. Danach dehnten wir uns ausgiebig.

 

Ab dem 3. Trainingstag scheint dieser Weg, beim auf- und abrennen, immer steiler zu werden.

Ab dem 3. Trainingstag scheint dieser Weg, beim auf- und abrennen, immer steiler zu werden.

 

Irgendwann gegen 14.10 Uhr begannen wir uns zu fragen, wo denn der Rest der Gruppe blieb. Ich rannte zu Mr. Wangs Büro, wo ich seinen Assistenten traf. Nach einem kurzen Gespräch war mir klar warum die anderen nicht gekommen waren. Das Nachmittagstraining beginnt in Shaolin um 15 Uhr. Mittlerweile war es 14.30 Uhr. Um warm zu bleiben, übten wir die am Morgen gelernten Schritte, bis schließlich die Gruppe eintraf. Erneut hieß es: Laufen und Dehnen. Als die Meister eintrafen, ging es weiter mit extremem Dehnen. Ab in den Männerspagat. Einer der Meister zog am vorderen Bein, während der andere die Hüfte nach unten drückte. Was für ein Spaß. Jeder wurde durch die verschiedenen von den Meistern forcierten Dehnungen gequält. Danach nochmal eine Runde den Berg runter und rauf, um den Beinen wieder klar zu machen, wo oben und unten ist. An diesem Tag war es übrigens unfassbar schwül. Beim Dehnen liefen mir Sturzbäche aus Schweiß vom Körper.

 

Als diese Marter durchgestanden war, ging es bis 17 Uhr mit Formtraining weiter. Was für ein Hammertrainingstag. Wir waren total fertig und ließen den Abend im Kiosk an der Ecke mit einem freundlichen Engländer und einem trinkfesten Schweden bei einem wohlverdienten, kühlen Lightbier ausklingen. Um 22:40 Uhr habe ich dann diesen Text geschrieben und wollte nur noch schlafen. Mir war vollkommen egal, wie hart die Matratze war. Ich schlief wie ein Stein.

 

Jedoch wird man für alle Strapazen mit freundlichen Menschen und Bildern wie diesen belohnt.

Jedoch wird man für alle Strapazen mit freundlichen Menschen und Bildern wie diesen belohnt.

 

So, das wars auch schon für heute. Wenn dir der Text gefallen hat, teile ihn auf deiner Facebookseite, gib uns ein GEFÄLLT MIR und hinterlasse uns einen Kommentar. Wenn du Fragen zum Training oder dem Tagesablauf im Shaolin Tempel in China hast, schreib uns auf unserer Facebookseite oder hier in einem Kommentar!

 

Bis zum nächsten mal,
Dein Team der Tai Chi Akademie Kaiserslautern.

Schulprojekt an der berufsbildenden Schule Ludwigshafen

Herzlich Willkommen zu unserem neuen Blogeintrag,

 

wir haben heute einen kleinen Bericht, über den Besuch unserer beiden Mitglieder Seraina und Jörg, an der berufsbildenden Schule in Ludwigshafen. Im Rahmen der Projektwoche vermittelten die Beiden ein Einführungsprogramm in die chinesischen Kampfkünste. Viel Freude beim Lesen des Berichtes aus der Sicht von Seraina.

 

Hallo und willkommen zu einen neuen Beitrag von mir!
Ich möchte dir heute von einem außergewöhnlichen Training erzählen, das ich so noch nicht erlebt habe.

 

Jörg, unser Trainer der Tai Chi Akademie, und ich waren an eine Berufsbildenden Schule in Ludwigshafen im Rahmen einer Projektwoche, in der unter anderem verschiedene kulturelle Aspekte Asiens behandelt wurden. Wir waren eingeladen um den Schülern, einen Vormittag lang, einen Einblick in Kung Fu zu vermitteln.

 

Die Teilnehmer an unserem Schulprojekt an der Berufsbildenden Schule Ludwigshafen erlernen ihre erste Kung Fu Form.

Die Teilnehmer an unserem Schulprojekt an der Berufsbildenden Schule Ludwigshafen erlernen ihre erste Kung Fu Form.

Wir trafen die Schüler auf einer kleinen Wiese neben dem Gebäude. Zuerst stellten wir uns vor und erzählten den Schülern, warum wir da sind und was wir mit ihnen geplant haben. Darauf hin gab Jörg einen geschichtlichen und kulturellen Einblick über die Anfänge der Kampfkünste in China und wie sich die verschiedenen Stile im Laufe der Zeit entwickelten. Da es ein sehr heißer Tag war, die Schüler schon um einiges früher mit dem Schultag begonnen hatten und die Sommerferien auch noch vor der Tür standen, war ihre Aufmerksamkeit zuerst gar nicht so leicht zu halten.

 

Generell machte sich bemerkbar, dass sie scheinbar keinen Bezug zu all dem finden konnten und uns recht kritisch begutachteten. Der erste Kontakt war doch sehr reserviert. Zugegebenermaßen ist es auch nicht leicht einen Zugang zu einer fremden Kultur mit einem doch speziellem Thema zu finden und wir beide haben mit unserer Trainingskleidung wohl auch befremdlich auf die Gruppe gewirkt. Aber mit einem kleinen und dennoch sehr feinen Kniff konnte Jörg die Spannung und Aufmerksamkeit für sich gewinnen: er demonstrierte einige Stile und bezog sich dabei auf die Zeichentrickserie „Avatar – Herr der Elemente“ und die Fortsetzung „Die Legende von Korra“. Somit war das Interesse und die Aufmerksamkeit der Schüler gesichert. Puuh, ich hatte echt kurzzeitig bedenken, dass die Schüler gar keine Lust haben und froh sind, wenn sie ihren Schultag beenden können. Ich war begeistert, mit welchen simplen Mitteln ein Bezug hergestellt und vor allem die Vorstellung aktiviert werden kann. Und nicht nur die Schüler waren voll dabei: blickte man am Gebäude entlang, sah man einige neugierige Schüler und Lehrer an den Fenstern, die dem Geschehen folgten und hofften das ein oder andere verstehen zu können.

 

Seraina aus unserem Unterrichtsteam zeigt ihr Kung fu

Seraina aus unserem Unterrichtsteam zeigt ihr Kung fu

Nach dieser doch gelungenen Einstiegsphase wollten wir den Schülern die Möglichkeit bieten, einmal ein für uns reguläres Aufwärmtraining zu machen und anschließend die ersten Bewegungen der Wu Bu Quan, unserer ersten Form, zu lernen. Außer ein paar wenigen Schülern, die u. a. Krankheitsbedingt aussetzen mussten, waren alle dabei.Trotz der fast schon unzumutbaren Hitze. Wir fingen an uns zu lockern und um uns aufzuwärmen liefen wir in 2er-Reihen zwischen den Schulgebäuden. Dabei hat mich eine Schülerin besonders beeindruckt: sie hatte ihre Sportschuhe vergessen und lief einfach barfuß mit – über den heißen Asphalt! Und das freiwillig! Was für eine Willenskraft! Nach dem Laufen und Dank der Hitze waren wir sehr schnell warm und so sparten wir uns weitere Aufwärmübungen. Stattdessen begannen wir mit Kraft- und Ausdauerübungen wie Liegestütze und Jumping Jacks. Ich war und bin immernoch beeindruckt, wie die Schüler mitgemacht haben, gerade bei diesen Übungen, die für den ein oder anderen doch sehr anstrengend sein können. Und wiegesagt – gerade bei der Hitze, dass so viele mitgemacht und durchgehalten haben. Ich selbst hatte mit der Temperatur zu kämpfen.
 

Unser Trainer Jörg Roth mit seiner derzeit favorisierten Waffe. Der Pu Dao

Unser Trainer Jörg Roth mit seiner derzeit favorisierten Waffe. Der Pu Dao

 

Danach ging es an das Dehnen. Wir leiteten die Schüler an und zeigten ihnen Dehnübungen, die sie immer und überall machen können, gerade weil einige von ihnen regelmäßig ins Fitnessstudio gehen und dort leider das Dehnen oft zu kurz kommt und ihnen gar nicht richtig bewusst war, warum das so wichtig ist. Nach dem Dehnen gab es erstmal eine Trinkpause und etwas Zeit zum durchatmen – wobei ich auch hier keinen Abbruch der Aufmerksamkeit bemerkte. Sie hatten so viele Fragen! Da soll mal einer behaupten, man könne die Jugend nicht mehr für etwas begeistern….
Während der Trinkpause haben Jörg und ich diverse Formen vorgeführt, um auch hier die Vielfältigkeit der Kampfkunst zu betonen. Dabei kamen natürlich auch Waffenformen zum Einsatz. Zum Beispiel waren die Jungs vor allem von der Hellebarde begeistert, während die Mädels am Fächer gefallen fanden.

 

So ging die Trink- und Fragepause praktisch fließend in einige Demonstrationen und Erklärungen von Selbstverteidigungstechniken über, auch hier war der Anklang sehr groß. Dabei waren die Schüler weniger von der Selbstverteidigung an sich als mehr von den Reaktionen und Auswirkungen des Körpers beeindruckt, welche u. a. durch das Ausnutzen der Meridianpunkte hervorgerufen werden können.

 

Durch die vielen Fragen fingen wir mit den Anfängen der Wu Bu Quan erst recht spät an. Das war aber nicht weiter schlimm, wir hatten nicht wirklich auf die Uhr geachtet, die Schüler aber auch nicht. Scheinbar war es doch nicht so wichtig als erste das Schulgelände zu verlassen. Und der Körper hatte durch die Witterung nicht wirklich die Möglichkeit sich abzukühlen, also war die etwas längere Pause nicht weiter schlimm.
Beim Erlernen der Wu Bu Quan war ich immer noch baff, ich muss einfach nochmal meine Begeisterung am Engagement der Schüler betonen: wir haben die erste Hälfte durchgehen können in kürzester Zeit und ihre Konzentration war dennoch auf Hochtouren. Sie fragten auch von sich aus nach Wiederholungen und stellten weiterhin viele Fragen! Außerdem konnten einige ein überzeugendes Potential für die Bewegungsabläufe und Körperhaltungen zeigen.

 

Kung Fu ist manchmal schmerzhaft? Die Schüler stehen die Dehnungsübungen dennoch tapfer durch.

Kung Fu ist manchmal schmerzhaft? Die Schüler stehen die Dehnungsübungen dennoch tapfer durch.

Natürlich darf man nicht verleugnen, dass ein paar wenige der Schüler keine Lust auf unser Programm hatten und demnach nicht aktiv teilnahmen. Das ist auch in Ordnung. Die aktive Teilnahme war auf freiwilliger Basis und ich persönlich sehe eine erzwungene Teilnahme, wenn es um eine Kampfkunst geht, sehr kritisch, da möglicherweise der nötige Respekt und bewusste Umgang fehlt. Des Weiteren neigen solche Personen durch ihre Unlust zu hinderlichem oder gar störenden Verhalten. Stattdessen durften sie am Rande des Geschehens verweilen und den vielen kleinen oder größeren Erfolgen und ggfs. (Selbst-)Erkenntnissen ihrer Mitschüler beiwohnen.

 

Gegen Mittag neigte sich unsere Zeit mit den Schülern so langsam dem Ende. Sie hatten laut Stundenplan Schulschluss und auch Jörg und ich waren natürlich geschafft nach so einem eindrücklichen Vormittag, des weiteren wir hatten ja noch unser reguläres Training am Abend noch vor uns!
Trotzdem blieben einige Teilnehmer noch etwas länger, löcherten uns weiter mit ihren Fragen und führten sehr schöne Gespräche mit uns.

 

Ich hoffe, dass wir einige von ihnen erwärmen konnten mehr für sich selbst zu tun. Dabei ist es weniger wichtig, dass alle Kung Fu lernen (wobei ich mich sehr über neue Gesichter im Training freuen würde 😉 ), sondern jeder für sich das Richtige findet, sich bewegt und ein Hobby oder gar eine Leidenschaft entdeckt und somit etwas für sich, seinen Geist und seinen Körper tut.

 

Ich möchte mich herzlich bei den Schülern bedanken. Ich hatte einen außergewöhnlichen Vormittag mit ihnen erlebt und bin praktisch alle paar Minuten positiv von ihnen überrascht worden. Immerhin darf man nicht vergessen, dass sie nicht freiwillig in unser Training kamen sondern wir ihnen schroff gesagt vor die Nase gesetzt wurden als Teil der Projektwoche.
Ich wünsche ihnen alles Gute für ihre Zukunft und vielleicht sieht man sich ja mal bei einem gemeinsam Training bei der Tai Chi Akademie..? =)

 

Des Weiteren möchte ich mich auch bei der Lehrerschaft bedanken, die das alles arrangiert hat. Ich habe daraus eine wertvolle Erfahrung für mich mitnehmen können und freue mich, dass wir manche Persönlichkeiten aus ihrer Reserve locken konnten. Das ist zusätzlich einer der kleinen wichtigen Erfolgen für mich von diesem Tag.

 

Bis zum nächsten Mal und bis dahin alles Gute!
Eure Seraina

 

Wir hoffen der Bericht hat ein wenig Spaß gemacht. Wir bedanken uns noch einmal bei den verantwortlichen Lehrkräften der berufsbildenden Schule Lufwigshafen und bei unseren beiden Freiwilligen. Ganz besonders bei Seraina für den Beitrag.

 

Nun haben wir wieder eine Frage an dich. Hättest du auch einmal Interesse an einem solchen Projektkurs? Egal ob Schule oder In der Firma? Schreib uns einfach, vielleicht können wir euer Team auch einmal in die Welt der chinesischen Kampfkünste entführen.
Anfragen bitte an folgende Email Adresse: kontakt@tai-chi-akademie.de
Wir freuen uns auf deine Vorschläge.

 

Alles Gute
Euer Team der
Tai Chi Akademie Kaiserslautern e.V.

Jaap und Jörg im Zentrum von Himmel und Erde

Montag ist Blogtag,

 

Herzlich Willkommen zu unserem neuen Blogeintrag. Heute hat unser Jörg Roth wieder einen Tagesbericht aus China für dich. Im Juni war er zusammen mit unserem Schüler Jaap Sanders, 2,5 Wochen im Shaolin Tempel / Henan / China. Den beiden liegt neben der Kampfkunst, auch die chinesische Kultur am Herzen. Zusätzlich zu der buddhistischen Tradition des Shaolintempels, wollten sie auch die Welt des Daoismus erfahren und verbrachten einen Tag im Zhongzhou Yue Miao, dem Zentrum von Himmel und Erde in der Stadt Dengfeng.
Was sie erlebt haben, erfährst du in den folgenden Zeilen.

 

Hallo, hier ist mal wieder Jörg Roth.

 

Der Morgen in Shaolin begann wie meist gegen 6.30 Uhr mit Müsli, Früchten, Eiern und einem löslichen Kaffe auf unserem Zimmer.
Gegen 8 Uhr machten Jaap und ich uns auf den Weg zur Trainingshalle im Shaolin Tempel. Nach 2 Runden laufen durch den Tempel, folgte wie jeden Tag das Dehnen an den Felsen hinter der Dharmahalle.
Kurz vor 9 Uhr kam unser Meister Shi Yan Zhao und sagte uns, dass wir heute nicht im Tempel trainieren, sondern ganz traditionell zur Bodhidharmastatue laufen würden. Mit laufen meinte er natürlich rennen.

 

Bei ca 34 °C ist das wirklich keine Freude. Ich muss ganz ehrlich sein, ich musste drei kleine Pausen einlegen um oben anzukommen. Einer dieser Zwischenstops beinhaltete einige Niederwerfungen an der Bodhidharma-Höhle. Auf dem Gipfel des Berges, neben der weißen Statue des ersten Patriarchen, musste ich mir noch einmal 5 Minuten Ruhe gönnen. Nach drei Niederwerfungen vor Bodhidharma mit einem Räucherstäbchen in der Hand, machte ich mich auf den Rückweg. Das Räucherstäbchen ist ein Beweis dafür, dass der Schüler den Weg wirklich komplett gelaufen ist. Der Rückweg verging, im wahrsten Sinne des Wortes, wie im Fluge. Die Treppen sind so steil, dass es anstrengender ist zu bremsen, als einfach nur durchzurennen. Ab und zu muss man aufpassen, dass man bei einem Sprung über die nächsten fünf Treppen oder im vollen Rennen, keinen verträumten Touristen niederstreckt. Nach ca. 50 Minuten war der erste „Dharmarun” dieses Aufenthaltes für mich beendet.

 

Die Treppen zu Bodhidharma sind schon als Wanderung nicht zu unterschätzen

Die Treppen zu Bodhidharma sind schon als Wanderung nicht zu unterschätzen

Unser Meister erwartete Jaap und mich an der Pforte des Nonnenkonvents, in der Nähe des Shaolinhaupttempels. Dort warteten auch unsere Waffen auf uns. So verbrachten wir die restliche Stunde mit dem Training an Speer und Pu Dao ( kleine Hellebarde )
Nach dem Mittagessen, hatten wir an diesem Tag trainingsfrei. Nach den Strapazen des Morgens war ich um diesen Umstand auch von ganzem Herzen dankbar.
Trotzdem hatten wir uns etwas für den Nachmittag vorgenommen und so fanden wir uns gegen 14 Uhr in einem Taxi nach Deng Feng wieder. Unser Ziel war dieses Mal aber nicht die Innenstadt, sonder der größte taoistische Tempel der Provinz Henan. Den ZHONG YUE MIAO (Tempel des Mittleren Gebirges).

 

Die Pforte des Zhong Yue Miao

Die Pforte des Zhong Yue Miao

 

Schon am Tor der Anlage waren wir von der Schönheit der Architektur beeindruckt, jedoch sollte dieser erste Blick nur eine Vorbereitung auf den schönsten Tempel sein, den ich in meinem Leben jemals betreten habe. Über zwei von Bäumen gesäumte kleine Alleen und ein weiteres Tor betraten wir den ersten bebauten Hof der Anlage, der in einer Art Empfangshalle mündete.

 

Dort trafen wir auf die ersten taoistischen Meister. Einer von ihnen kam sofort lachend auf uns zu und bot uns Kuchen an. Etwas perplex aber dennoch froh über diese Begrüßung stellten wir uns mit meinen grundlegenden Chinesischkenntnissen und der internationalen Sprache von Händen und Füßen vor. Er wollte alles wissen. Wo wir herkommen. Wo wir wohnen. Wie alt wir sind. Ob wir Kung fu trainieren, usw. Nachdem die Haltung des Meisters immer herzlicher wurde und er uns schließlich anbot, uns durch den Tempel zu führen, fragte ich ihn nach einem Foto. Er sagte sofort ja, bestand aber darauf, auch eines mit mir haben zu dürfen. So schickte er einen seiner Schüler los um sein Handy zu holen und wir machten einige Fotos.

 

Der freundliche taoistischer Meister zusammen mit Jörg Roth

Der freundliche taoistischer Meister zusammen mit Jörg Roth

Anschließend begann die Führung durch den Komplex. Als erstes zeigte er uns den ältesten Baum im Tempel, der als Heiligtum gilt – ein wirklich erstaunlicher, von der Zeit gezeichneter Stamm, der eine mächtige grüne Nadelkrohne trägt, die mit roten Bändern übersät ist. Leider konnte ich nicht alles verstehen, was unser freundlicher Begleiter darüber erzählte. Dieser Umstand ärgerte mich ein wenig und ich schwor mir, meine Sprachkenntnisse bis zu meiner nächsten Reise in das Land der Mitte zu vertiefen. Im nächsten Hof stand eine große gelbe Kürbisflasche, die, soviel ich weiß, auf einen der acht Unsterblichen der taoistisischen Lehre zurückgeht. Die Flasche des Li Tieguai, soll magische und heilende Substanzen beinhalten. Wer daraus trinkt, erhalte ewiges Leben.
Die Flasche stand im Zentrum des Hofes und von ihr aus ging es in den Himmelsrichtungen zu vier wunderschönen Hallen. Jede dieser Hallen scheint einer Himmelsrichtung gewidmet zu sein.
An Ihren Innenwänden befanden sich Fresken aus den Epochen der Menschheit. So waren zum Beispiel in der ersten Halle Bilder und Szenarien aus dem Leben der Höhlenmenschen und in der nächsten das Aufblühen der Zivilisation in China zu sehen.

 

Die Nördliche Halle des Zhong Yue Miao

Die Nördliche Halle des Zhong Yue Miao

 

Die Decken der Hallen waren kunstvoll verziert und in der Mitte stand immer ein Schrein mit Heiligen und Geisterwesen. Über dem Schrein befand sich immer ein Tier, welches aus der Decke auf den Schrein hinab blickte. Einmal ein Drache, dann ein Phönix.
Leider konnte ich nicht alle Hallen in diesem Hof anschauen, da unser Guide stolz den nächsten Hof präsentieren wollte.
Auf unserem Weg trafen wir immer wieder auf Priester und Nonnen die uns freundlich grüßten, Tee anboten oder wissen wollten, wie uns der Tempel gefällt.
Alles in allem muss ich sagen, so freundlich und herzlich wurde ich noch nie in einem buddhistischen Tempel aufgenommen. Des weiteren, ist mir aufgefallen, dass Taoisten anscheinend viel mehr lachen als Buddhisten. Ich hatte nicht einmal das Gefühl, dass wir unerwünscht wären. Es war einfach nur schön, diese Herzlichkeit erleben zu dürfen und man fühlte sich sofort heimisch wohl.

 

die Haupthalle des Tempels in Dengfeng

die Haupthalle des Tempels in Dengfeng

Im nächsten Hof des Tempels stand die große Himmelshalle. Ein mächtiges Gebäude mit einer imposanten Treppe, die von wirklich großen Räucheröfen flankiert wurde. Dort verließ uns der freundliche Meister, da er von einem Kollegen gerufen wurde. Auf einer Erhöhung im Zentrum des Platzes vor der Halle war ein kleines Loch im Boden, in dem eine Art Kristallkugel eingelassen war. Eine sehr nette Nonne versuchte uns zu erzählen, was es damit auf sich hatte. Soviel wir es verstanden haben, handelt es sich um das sogenannte ZENTRUM VON HIMMEL UND ERDE. An einem der Festtage im Tempel scheint die Sonne direkt in das Loch und erleuchtet die Kugel. Wenn man sich darüber stellt, hat man in diesem Moment keinen Schatten und steht somit im Zentrum zwischen Himmel und Erde. Nach dieser Einweisung gingen wir hinauf zur Halle.

 

so unscheinbar ist das Zentrum von Himmel und Erde

so unscheinbar ist das Zentrum von Himmel und Erde

 

Dort konnte man einen taoistischen Segen bekommen. Für 150 Yuan (ca. 20 Euro), die dem Tempel zugute kommen, bekam man einen Zylinder mit Holzstäbchen vorgehalten. Nachdem die Stäbchen durch im Kreis schwenken gemischt wurden, durfte man eines ziehen. Dieses Zufallssystem entscheidet über den Segenstext den man ausgehändigt bekommt. Ich fand dieses kleine Ritual sehr schön und nahm die Chance dazu gerne an. Anschließend setzen wir uns in eine Ecke des Platzes und genossen einfach den Moment. In diesem Moment wurde mir erst mal klar, dass hier im Tempel außer uns gerade mal rund 20 Besucher waren. In Shaolin, sind es an einem sonnigen Nachmittag ca 2000. Wirklich schade, dass dieser wundervolle Ort anscheinend so wenig Aufmerksamkeit bekommt. Aber wahrscheinlich sind die Bewohner gar nicht so böse darum. Wir fanden die Stille heilsam und äußerst angenehm.
Gerade als wir gehen wollten, begann ein Priester auf dem Platz vor der großen Halle mit seinen Tai Chi Übungen. Es war sehr beeindruckend. Die Bewegungen waren runder und kreisender als ich sie jemals gesehen hatte. Auch seine Schritte formten Kreise und Wirbeln.
 

Das Tor zum Haupthof

Das Tor zum Haupthof

 

Dann wurde es aber wirklich Zeit zu gehen, da der Tempel allmählich geschlossen wurde. Wir hatten ein paar wundervolle Stunden im Zhong Yue Miao verbracht, sehr nette Menschen kennengelernt und sogar ein wenig taoistisches Tai Chi gesehen.
Mit einem Taxi ließen wir uns zurück zu unserer Unterkunft in Shaolin bringen und beendeten den Abend mit einem wohlschmeckenden Essen.

 

Alles Gute
Jörg Roth

 

Wie hat dir der Bericht gefallen? Warst du schon mal in einem Tempel, einer exotischen Geisteshaltung? Was hast du dort erlebt? Über welche Berichte aus China würdest du dich freuen?
Lass es uns wissen.

 
Bis zum nächsten Mal.
Dein Team der Tai Chi Akademie

Die Reise nach Shaolin. Teil 1

Hallo, schön das du wieder ein bisschen Zeit hast Unseren Blog zu Lesen.
In den letzten Einträgen, haben wir angedeutet, dass zwei unserer Mitglieder sich auf den weiten Weg, nach China, gemacht haben. Dort trainierten sie 2,5 Wochen in der Wiege des chinesischen Kung Fu, dem Shaolin Muttertempel in der Provinz Henan.
Jörg unser Spezialist für Shaolinkultur in der Tai Chi Akademie besuchte den Tempel zum zweiten Mal innerhalb von 2 Jahren und hatte im Verein dazu aufgerufen, ihn zu begleiten. Dem Ruf gefolgt war unser Mitglied Jaap Sanders. Jörg hat sich die Mühe gemacht, ein kleines Reisetagebuch zu führen und möchte dich nun zum ersten seiner Einträge einladen.

27.05.2015, Eintrag von Jörg Roth
Es beginnt …

Die Buddhahalle des Shaolinklosters nachdem der Touristenstrom versiegt ist.

Die Buddhahalle des Shaolinklosters nachdem der Touristenstrom versiegt ist.

Ich habe grauenvoll geschlafen. Die Unterkunft im Shaolin Deciples Home ist karger als bei meinem letzten Besuch. Am schwersten für meine Nachtruhe war die Reismatte, die hier überall als Matratze dient. Ich habe noch nie auf so etwas hartem geschlafen. Naja, bin eben ein verweichlichter Europäer.
Als der Wecker um 6 Uhr klingelt freue ich mich auf ein Frühstück, wie bei meinem letzten Besuch, mit Teigknödeln und gebratenem Gemüse. Doch auch hier Fehlanzeige. Im Frühstücksraum steht eine Schachtel mit süßen Fertigkaffeestückchen und daneben eine Schale mit gekochten Eiern.
Puh, in diesem Moment kann ich die Haltung nur schwer bewahren. Miese Kombination: 4 Stunden Schlaf, Rückenschmerzen und Hunger. Ich hoffe, dass der Tag positives bringt. Meine Laune ist gerade etwas auf dem Tiefpunkt.
Aber was solls, ich werde eben mal wieder in der Fähigkeit des, mit dem Gegebenen auskommen und die Gegebenheiten ohne zu bewerten als solche anzunehmen, unterrichtet.
Ganz in diesem Geiste mache ich mich auf ins und besorge ein bisschen Fladenbrot.
Dann heißt es Aufbruch zum ersten Training.

Im Tempel werden Jaap und ich erst mal unserem Meister vorgestellt. Da es mal wieder, wie auch das letzte Mal, im Tempel an Waffen mangelt, bittet uns dieser unsere Trainingswaffen, mittags in Dengfeng zu kaufen und heute Morgen nur Basics zu üben. Macht in meinen Augen auch ziemlich Sinn, das erste Training mit Basics zu verbringen. Er kann bei diesen Übungen unsere Vorkenntnisse und Fähigkeiten sehen, bevor wir eventuell mit einer Form beginnen, die zu schwer für uns ist. Die Übungen sind mal wieder der übliche Standard, stellenweise etwas anders zusammengestellt. Also kein Problem. Jaap scheint sehr erleichtert, dass er nicht der einzige mit weniger Erfahrung in der Gruppe ist, ein Mädchen aus Indien und ein Schüler aus Rumänien, sind auf ähnlichem Stand wie er, wobei ich sagen muss, dass unser Jaap eine ganze Schippe mehr Begabung und Willen mit in die Wagschale wirft.
Dann ist es auch schon 11 Uhr und das erste Training ist beendet.
Also zurück zur Unterkunft wo das Essen schon sehr bald fertig ist. Gestärkt gehen wir dann gemeinsam mit zwei unserer Mitschüler nach Dengfeng zum einkaufen. Ich liebe es diese Kung Fu Läden auf den Kopf zu stellen, habe mir aber angewöhnt, strikt nach meiner Einkaufsliste zu shoppen. Die günstigen Preise versetzen einen einfach zu schnell in eine Art Kaufrausch.
Dann auf dem Weg zum Supermarkt stoßen wir auf eine der Schattenseiten der chinesischen Mentalität. In einem kleinen Käfig an der Straße kauern 6 Hundewelpen, dicht an dicht bei 30 Grad ohne einen Tropfen Wasser. Die kleinen sind völlig am Ende ein weiterer Hund kläfft in einem Käfig nebenan auch ohne Wasser, aber zumindest mit einer leeren Schüssel vor seinen Pfoten. Wir geben unsere Wassevorräte an die armen Geschöpfe ab, als ich einfach den Käfig der Kleinen öffne und den Welpen eine große Schüssel Wasser reinstelle, kommt eine ältere Frau angelaufen und keift uns an. Erst als die kleinen meine 2. Flasche Wasser getrunken haben und dankbar aufschauen reagiere ich auf die Frau. Ich stehe einfach nur auf, schaue sie etwas zornig an, halte ihr meine Malakette vors Gesicht und entgegne ihr einen buddhistische Gruß. Sie scheint dies sehr gut zu verstehen und ist still.
Für uns geht es nun in den lauten Supermarkt.

Wir waren Trainingswaffen einkaufen. Jörg: Pudao / kurze Hellebarde - Jaap: Jiang / Speer

Wir waren Trainingswaffen einkaufen. Jörg: Pudao / kurze Hellebarde – Jaap: Jiang / Speer

Gegen 17 Uhr sind wir wieder am Tempel und machen uns an den Aufstieg zum Kung fu Dorf, Wanzigou, auf dem Hügel. Bepackt wie wir sind, ist der Hügel ein ernster Gegner, aber da er auch der Weg zur nächsten Mahlzeit ist, überwinden wir ihn gut gelaunt.
Nach dem Essen gehen Jaap und ich alleine zurück zum Tempel, unseren Verantwortlichen, Herrn Wang finden wir nicht, dafür genießen wir unseren ersten Abend im Shaolintempel. Wir machen einige Fotos, erleben wie die Menschen die Mauern verlassen und Vögel und Katzen die Gebäude und Höfe übernehmen.

Die friedliche Stille ist beeindruckend. Nach Ca 2 Stunden, machen wir uns auf den Weg zum Pagodenwald, den wir in der Dämmerung erreichen. Ich zeige Jaap die Pagoden der verstorbenen Äbte von Shaolin und bin geschockt. Vor 2 Jahren noch waren alle Pagoden in Takt, nun sind unfassbar viele mit Holzstangen abgestützt und vom Einsturz bedroht.
Sehr schade. Für unseren Profi Jaap sieht alles nach einem leichten Erdbeben oder einer Setzung des Bodens aufgrund einer Absenkung des Grundwasserspiegels aus.
Es ist schon dunkel als wir zum Dorf zurückkehren und uns ein Feierabendbierchen genehmigen. In solchen Momenten bin ich wirklich froh, dass ich kein Mönch bin. Als wir gerade gehen wollen sehe ich endlich ein vertrautes Gesicht. Einer meiner Meister vom letzten Aufenthalt kommt strahlend auf mich zu und umarmt mich kräftig, ich bin unglaublich glücklich, aber auch ein bisschen beschämt, da mein chinesisch trotz Unterricht und vielem üben nicht ganz ausreicht. Dennoch schaffen wir es uns für morgen im Tempel zu verabreden, wo ich auch andere meiner Freunde vom letzten Mal treffen soll. Happy gehen Jaap und ich zurück und trainieren noch eine Stunde im Hof des Deciples home. Um 22.30 Uhr falle ich müde auf meine Reismatte.

So, wir hoffen dir hat der erste Tagebucheintrag gefallen. Jörg wird immer mal wieder einen seiner Einträge in unserem Blig veröffentlichen. Sollten beim Lesen Fragen aufgekommen sein, oder interessiert dich ein bestimmtes Thema, rund um die Reise und den Shaolintempel / Henan in China, so schreib uns einfach einen kleinen Kommentar.
Wie immer freuen wir uns sehr, wenn ihr unseren Eintrag im sozialen Netz teilt und ein “Gefällt mir”
hinterlasst.

Vielen Dank fürs vorbeischauen.
Alles Gute

Das Team der Tai Chi Akademie Kaiserslautern

Aus der Waffenkammer der Kampfkünste: Der chinesische Dao

Unser Trainer Jörg, mit dem chinesischen Kampfsäbel

Unser Trainer Jörg, mit dem chinesischen Kampfsäbel

Hallo Zusammen,
im heutigen Text entführt euch Jörg Roth in die Waffenkammer der Kampfkünste. Wir möchten euch auf diese Weise die Möglichkeit bieten, mehr über diese zum Teil sehr exotischen Waffen zu erfahren und wünschen Euch viel Spaß mit dem chinesischen Kampfsäbel, dem sogenannten Dao.

Der chinesische Dao.
(chinesisch 刀 dāo: “Messer”)

Hallo und Willkommen in unserer Waffenkammer,

Der chinesische Kampfsäbel ist eine sehr geläufige Waffe in der Formenlehre von Kung Fu und Tai Chi. Sein Ursprung geht zurück auf einen mongolischen Reitersäbel. Im 7.Jahrhundert wurde er von der Tangdynastie neben der Kriegslanze ( chinesisch Ge 戈 ) zur Hauptwaffe der Fußsoldaten. Von der Infanterie wurde er zusammen mit einem Schild für den Sturmangriff und im Nahkampf genutzt.
Wie die meisten Säbel handelt es sich auch beim Dao um eine Hieb- und Stichwaffe, die meist mit einem Schild geführt wurde. Schneiden ist zwar möglich, aber am effektivsten ist die Klinge, wenn der Kämpfer den kopflastigen Schwerpunkt nutzt, um mit möglichst hoher Wucht den breiten Ort (vorderes Klingenende) einer Axt gleich einzusetzen.

Kung Fu Kaiserslautern Säbel 2

Bei solch beherzten Stichen mit dem Übungssäbel, erklingt ein lautes metallisches Knallen.

Da der Soldatensäbel eine einschneidige Waffe ist und die beschriebene Kopflastigkeit besitzt, sind seine Einsatzmöglichkeiten begrenzt. Um das Gewicht besser nutzen zu können, wandert die Klinge meist eng am Körper des Kämpfers um anschliessend mit der aus den Drehungen entstandenen Wucht einen verheerenden Treffer zu setzen. Fechten ist mit dieser Waffe kaum möglich, was dem Gewicht und der Form des Säbels geschuldet ist.

In den bei uns unterrichteten Formen wird dies sehr deutlich. Es gibt extrem viele Hiebe und Stiche mit der Waffe, jedoch nur wenige reine Schnittbewegungen. In den Kung Fu und Tai Chi Formen wird die Waffe so eng am Körper geführt, das der Klingenrücken sogar über den Nacken oder den Rücken des Übenden gleitet. Manche der Stiche und Hiebe werden sogar durch Sprünge in ihrer Gewalt verstärkt. Bei dieser Waffe wird dem Schüler schnell bewusst, dass die Angriffe nicht nur aus den Armen erfolgen können. Wie in allen Formen und Techniken der chinesischen Kampfkünste, entfaltet sich die volle Energie erst, wenn die Hüfte aktiv eingesetzt wird.

Meist werden im Unterricht heute leichte Säbel aus dünnem Blech oder Stahl verwendet. Hier ist die Spitze fast papierdünn. Wenn der Übende seinen Körper korrekt einsetzt und einen geraden Stich oder Hieb durchführt, erschallt im Scheitelpunkt des Angriffs ein metallisch peitschendes Geräusch. Bei Wettkämpfen ist dieses Geräusch ein Teil der Bewertung von Kung Fu Formen.

Jörg beim Training in der Tai Chi Akademie Kaiserslautern

Jörg beim Training in der Tai Chi Akademie Kaiserslautern

Die echte klassische Dao ist eine sehr stabile und ca 4 Kg schwere Einhandwaffe, deren Führung bei weitem mehr vom Übenden abverlangt, als die moderne leichte Übungsversion des Säbels. Immer wieder kommen Gerüchte auf, dass Schwerter und Säbel im alten China mit papierdünnen Klingen ausgestattet waren. Dies ist schlicht und einfach nicht wahr und gehört in die Welt der Kampfkunst-Mythen. Welchen Sinn hätte ein solches Schwert in einer realen Kampfhandlung. Es gibt keinerlei effektive Kampftechniken mit einer papierdünnen, instabilen Klinge. Das einzige was einem Kämpfer mit einem Übungsschwert im Zweikampf übrig bleibt, ist die sofortige Kapitulation oder die Flucht. Ich möchte jeden Schüler, der seine Fähigkeiten mit diesen Übungswaffen schult, dazu ermutigen, seine Formen und Techniken auch einmal an einer echten schweren Waffe zu erproben. Dann wird schnell klar, wie hart der Kampf für die damaligen Soldaten war. Und mit diesen Worten möchte ich die Waffenkammer für heute wieder schließen.

Alles Gute
Euer Jörg Roth

Damit sind wir am Ende unseres heutigen Blogs angelangt. Wir hoffen es war informativ und unterhaltsam. Nun bist Du wieder an der Reihe: Welche chinesische Waffe sollen wir Dir als nächstes Vorstellen? Hast Du Fragen oder Anregungen zu dem heutigen Text?

Alles Gute und bis Bald
In der Tai Chi Akademie Kaiserslautern