Linien des Lebens

 

Herzlich Willkommen zu unserem ersten Blog im Jahr 2017. 

Wir hoffen du hattest einen wundervollen Start in das neue Jahr. 

 

In unserem Blog möchten wir dir heute eine Kurzerklärung der Meridianverläufe deines Körpers bieten. 

Unser Grossmeister Adelino Rondalli hat sich die Mühe gemacht die folgende Kurzbeschreibung zu erstellen. 

Für unsere Schüler ist dieses Wissen ein Grundpfeiler für Ihre Ausbildung. Viel Freude beim auswendig lernen.

 

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Meridiane Kurzerklärung

 

Hallo,

diese Auflistung habe ich nach dem Zerstörungsprinzip sortiert, da dieses in unserem Kampftraining angewendet wird. Die Druck-Schlagrichtungen werden nicht erläutert, da es unterschiedliche Arten gibt, die Punkte zu aktivieren. Beispiel GB 1 wird in Blickrichtung genutzt, nicht in Richtung Kopf-Körpermitte.

 

Lernhilfe

In die Linke Hand sehen, beginnend mit dem Mittelfinger,steht hier für Holz, immer einen überspringen,kleiner Finger für Erde, Zeigefinger für Wasser, Ringfinger für Feuer, Daumen für Metall. Auf die verschiedenen Kreisläufe und deren Aktivierung werde ich in späteren Texten genauer eingehen.

 

Gallenblase

Beginnt an der Kopfseite neben dem Auge, geht im Zick-Zack Kurs um das Ohr zurück zur Stirn über den Kopf an der Halsrückseite runter und weiter an der Körper-Beinaußenseite und endet am Ringzeh. Yang Meridian, 44 Punkte, Element Holz. Aktivität: 23- 01 Uhr.

 

Leber
Beginnt an der Spitze des großen Zehs, an der Beininnenseite aufwärts über den Bauch und endet an den Rippen. Yin Meridian, 14 Punkte,Element Holz, Aktivität: 01-03 Uhr.

 

Magen
Beginn direkt unter dem Auge, läuft den Hals, Körper und auf der Beinaußenseite runter und endet an der Spitze des 2. Zehs. Yang Meridian,45 Punkte, Element Erde. Aktivität: 07-09 Uhr.

 

Milz
Beginnt an der Spitze des großen Zehs, läuft an der Beininnenseite hoch zum Torso und endet seitlich am Körper. Yin Meridian, 21 Punkte, Element Erde. Aktivität: 09-11 Uhr.

 

Blase
Beginnt am inneren Ecke des Auges, über den Kopf und läuft mit zwei Linien parallel an der Wirbelsäule dann am hinteren Bein bis zum kleinen Zeh. Yang Meridian 67 Punkte, Element Wasser. Aktivität: 15-17 Uhr.

 

Niere
Beginnt an der Fußsohle läuft nach oben durch das Geschlechtsteil seitlich an der Mittellinie hoch und endet unter dem Schlüsselbein. Yin Meridian, 27 Punkte, Element Wasser. Aktivität: 17-19 Uhr.

 

Herz
Beginnt in der Achselhöhle läuft an der Seite des kleinen Fingers bis zu dessen Spitze.Yin Meridian,9 Punkte, Element Feuer, Aktivität: 11-13 Uhr

 

Perikardium/Herzbeutel
Beginnt nahe an der Brustwarze zum Arm hin,geht hoch zur Schulter, am Innenarm entlang und endet an der Spitze des Mittelfingers.Yin Meridian, 9 Punkte, Element Feuer, Aktivität: 19-21 Uhr.

 

Dreifach Erwärmer
Beginnt an der Spitze des Ringfingers, geht auf der Außenseite des Armes hoch zur Schulter, weiter auf der Rückseite der Schulter zum Kopf am Ohrrand entlang und endet an der Schläfe. Yang Meridian, 23 Punkte, Element Feuer, Aktivität: 21-23 Uhr.

 

Dünndarm
Beginnt an der Spitze des kleinen Fingers, läuft an dessen Armseite hoch über die Schulter an die Kopfseite und endet am Ohr. Yang Meridian, 19 Punkte, Element Feuer, Aktivität: 13-15 Uhr.

 

Lunge
Beginnt an der oberen Brustecke, geht auf der Innenseite des Armes runter und endet an der Spitze des Daumens. Yin Meridian mit 11 Punkten, Element ist Metall, Aktivität: 03-05 Uhr.

 

Dickdarm
Beginn an der Spitze des Zeigefingers, geht an der Daumenseite hoch über die Schulter und den Hals und endet an einer Nasenecke. Yang Meridian,20 Punkte, Element Metall, Aktivität: 05-07 Uhr.

 

Ren
Beginnt im Schritt zwischen Anus und Geschlechtsteil, läuft in der Körpermitte hoch und endet unter der Unterlippe. Extrameridian verbunden mit allen  Yin Meridianen, 24 Punkte.

 

Du
Beginn an der Spitze des Steißbeins, die Wirbelsäule aufwärts, über den Kopf und endet hinter der Oberlippe.
Extrameridian verbunden mit allen Yang Meridianen, 28 Punkte.

 

Viel Freude beim Üben. 

Mit freundlichen Grüssen, Adelino Rondalli

 

 

Dies war unsere kurze Zusammenfassung. Wir danken unserem Großmeister Rondalli für die Mühe und hoffen, dass wir mit dieser Arbeit unseren Schülern und allen TCM, sowie Kampfkünstlern eine Hilfreiche Gedankenstütze liefern konnten. Wenn du mehr über dieses Thema erfahren möchtest, zögere nicht uns zu schreiben. 

 

 

Literatur

 

Zum Selbststudium empfehlen wir immer den DTV Atlas für Akupunktur. 

 

Titel  dtv-Atlas Akupunktur
Band 3232 von dtv-Taschenbücher Nachschlagewerke
Autor Carl-Hermann Hempen
Illustriert von Ulrike Brugger
Ausgabe 13 
Verlag Dt. Taschenbuch-Verlag, 1995
ISBN 3423032324, 9783423032322

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Bis zum nächsten Mal in unserem Blog oder bei uns im Training. 

 

 

Alles Gute und viel Freude bei allem das ihr tut,

Euer Team der Tai Chi Akademie Kaiserslautern e.V. 

Da verweilt der Übende in der Betrachtung des Körpers

Herzlich Willkommen zu unserem neuen Blogeintrag. Jörg Roth möchte dich heute zu einer kleinen Tai Chi Chuan Übung einladen. Viel Freude beim Lesen.

 

Da verweilt der Übende in der Betrachtung des Körpers.

 

Der Thatagata sprach in der Satipaṭṭhāna Sutta (Rede über die Grundlagen der Achtsamkeit) : Da verweilt der Übende beim Körper in Betrachtung des Körpers…..Dieser Satz hat mich eine ganze Weile beschäftigt. So richtig verstanden habe ich ihn erst, als ich von meinem geistigen Mentor ( Curtis Clavin Dittrich) die Aufgabe bekam, den Satz, mit meinem Tai Chi Training zu verbinden. Wie so oft in meinem Leben konnte ich den Sinn der Worte erst durch die praktische Umsetzung klarer verstehen.

 

Jörg Roth trainiert Kung Fu, Tai Chi und Qi Gong in unserem Verein

Jörg Roth trainiert Kung Fu, Tai Chi und Qi Gong in unserem Verein

Ich möchte nun versuchen, meine Erkenntnisse anhand meiner Erfahrung mit dir zu teilen.
Im Tai Chi Chuan Unterricht wurde ich immer wieder darauf hingewiesen, dass ich mich zu schnell und zu steif bewege. Erst nach und nach habe ich verstanden, was mein Meister damit meinte. Es gibt so viele Feinheiten in den Bewegungen, so viele Kleinigkeiten die beim Üben immer wieder der Hektik zum Opfer fallen. Meist ist es sogar unser fehlendes Einfühlungsvermögen oder unsere Selbstüberschätzung, die sich uns in den Weg stellen. Hast du schon einmal versucht, so langsam zu gehen, dass dir jede kleinste Bewegung deines Körpers in dem ach so vertrauten Ablauf des Gehens ersichtlich wird?

 

Es ist wirklich erstaunlich, wie viele Muskelgruppen aktiv sind und was unser Wunderwerk Körper in einem so kurzen Moment für komplexe Bewegungsmuster durchläuft, ohne dass wir uns darauf konzentrieren müssen. Im Tai Chi ist es genauso. Ich möchte die Vielfalt der wichtigen Kleinigkeiten an den ersten zwei Bewegungen einer Yang Tai Chi Chuan Form verdeutlichen. Als ich mich darauf einließ, die Bewegungen wirklich langsam auszuführen, wurden aus diesen zwei Bewegungen auf einmal unendlich viele…

 

Das öffnen des Chi.

 

Darunter verstehen wir, rein körperlich, das Anheben und Senken der Arme, wobei die geschlossenen Beine in einen Schulterbreiten Stand bewegt werden.
Wenn man es aber genauer betrachtet, passiert jedoch viel mehr bei dieser so simpel aussehenden Übung…

 

– Um die Übung einzuleiten lasse ich meinen Atem 3 mal ein und ausströmen. Beim nächsten Einatmen lasse ich mich etwas in die Knie einsinken. Die Schultern hängen locker herab. Der Kopf ist gerade und aufrecht. Die korrekte Kopfhaltung kann ich durch ein leichtes Absenken des Kinns erreichen, wobei der Schädelmittelpunkt ( Bai Hui Punkt ) zum höchsten Punkt des Körpers wird. Während dieser Haltungskorrektur kippe ich das Becken leicht nach vorn und spüre wie mein Rücken gerade wird. Von ganz allein beginnt die Wirbelsäule nun mein Gewicht völlig verspannungsfrei zu tragen. Die Füße belaste ich gleichmässig. Ich spüre nach, wie mein Körpergewicht auf ihnen verteilt ist. Ich erlebe wie stabil mein Stand hierbei wird. Erst wenn ich nachgespührt habe, dass meine Zehen flach aufliegen und alle Fußregionen gleichsam belastet sind, bewege ich mich weiter.
 

– Ich verlagere meinen Schwerpunkt, indem ich mit dem linken Fuß leicht gen Boden drücke und verfolge, wie mein Körpergewicht auf den rechten Fuß wandert. Ich überprüfe kurz meine Haltung und bewege meine Hände zur Körpermitte. Die abstrahlende Wärme der linken Hand lässt mich wahrnehmen, das nun die linke Handfläche mit etwas Abstand oberhalb des rechten Handrückens ruht. Nun hebe ich die Hände bis zu meiner Armbeuge an. Sofort fällt mir auf, wie meine Schulter und meine Beckenhaltung sich verändern möchten. Ich unterbinde dies, indem ich mich darauf konzentriere, wirklich nur meine lockeren Hände anzuheben. Schon stellt sich wieder Entspannung im Oberkörper ein. Ich lasse die Schultern gänzlich unbeteiligt.

 

– Nun hebe ich den linken Fuß leicht an und lasse ihn gemeinsam mit der linken Hand nach links zu einer schulterbreiten Stellung gleiten. Auch hier beginnen alle Bewegungen in der Hüfte. Ich achte darauf, dass Fuß und Hand sich synchron bewegen. Als ich diese Bewegung so langsam wie noch nie zuvor ausführe wird mir bewusst, dass wirklich die komplette Bewegung in der Hüfte wurzelt und ich diesen gesamten Ablauf normalerweise innerhalb der ersten Einatmung durchführe.

 

– Mit der ersten Ausatmung setzte ich normalerweise den linken Fuß sanft, mit der Ferse voraus, wieder auf dem Boden ab und lasse die Hände sinken. Doch möchte ich die detaillierte Aufzählung hier beenden, um den Rahmen nicht komplett zu sprengen.

 

Auch im Shaolintempel in China durfte Jörg seine Tai Chi Kenntnisse vertiefen

Auch im Shaolintempel in China durfte Jörg seine Tai Chi Kenntnisse vertiefen

 

Jedes Mal wenn ich die Übung wiederhole, fallen mir weitere Muskelbewegungen auf. Je nach Tagesform und Verfassung ist das Ergebnis wieder anders. Als ich die Übung mit meinen Mitschülern versuchte, war unser Ergebnis nie ganz deckend. Nur eines war vergleichbar.
Der Nutzen der Übung. Schon beim zweiten Versuch stellte sich eine Beruhigung des Körpers ein. Ich möchte sogar sagen, dass ich mit dieser Übung, das erste Mal beim Tai Chi ein meditatives Erlebnis hatte. Auch wurde die mir schon immer schwerfallende Entspannung der Muskulatur von ganz alleine erreicht. Die Bewegungen wurden mit jedem Mal fließender und wirkten für mich immer natürlicher. Nach und nach wurde die Form unwichtig. Die Freude an den kleinsten Feinheiten wurde zum Hauptgrund der Übung.

 

Nach und nach bemerkte ich, dass Tai Chi keine Technik direkt ist, sondern eine Ansammlung von Prinzipien. Es ging im Training nie um die Abläufe, sondern um das energetische Fließen und Bewegen des gesamten Menschen. Dies ist wohl, was man wirklich unter ganzheitlichem Training versteht. Diese Prinzipien stehen allen Menschen zur Verfügung. Da geht es nicht um körperliche Kraft oder um möglichst schöne Bewegungen. Es geht nur um das Verstehen und Zulassen von Möglichkeiten.

 

Natürlich muss jeder im Unterricht zunächst die körperliche Bewegung erlernen. Es muss klar werden, in welcher Reihenfolge die Übungen aufeinander folgen. Die wirkliche innere Kampfkunst Tai Chi Chuan beginnt meiner Meinung nach aber erst, wenn wir unser Erlerntes über Jahre vertiefen und den Mut haben uns auf die Übungen wirklich einzulassen. Ich möchte das Training gern in zwei Bereiche aufteilen.

Der erste Bereich ist das Training des Körpers:

 

Hier muss sich der Schüler komplett auf die Bewegung konzentrieren, um dem Körper keine falschen Haltungen anzugewöhnen. Ich habe das Gefühl, dass uns dieser Punkt so schwer fällt, da wir verlernt haben uns auf natürliche Bewegungen und Haltungen zu verlassen. Wir halten unseren Körper in den Ketten der anerzogenen Positionen der Mode und ähnlichen Unnatürlichkeiten. Es ist uns anerzogen, sich zu fügen und sich zu verbiegen um dem Standard zu genügen. Jedoch gilt auch hier, dass Schwerfallendes zuzulassen und zu erlauben, Freiheit und Zufriedenheit steigert – nicht nur im körperlichen Sinne.

 

Der zweite Bereich ist das Training der Energie:

 

Selten trifft man als Schüler auf Menschen die das Tai Chi wirklich gemeistert haben. Bei Ihnen geht es nicht mehr um Abfolge oder Bewegungen. Jedes Prinzip des Tai Chi ist von diesen Meistern über Jahre verinnerlicht worden und bedarf keiner äusserlichen Anleitung mehr. Alle Bewegungen sind völlig natürlich und kommen aus ihrem eigenen Inneren. Diese Menschen bewegen sich ganz und gar ohne Anstrengung, ohne jegliche Mühe. Für sie ist Kraft kein erstrebenswertes Prinzip. Sie sind nur noch Energie.
Großmeister Adelino gab mir hierzu folgendes mit auf den Weg:

 

Kraft sollte niemals gesucht werden. Energie hingegen ist bei allen Dingen erstrebenswert.
-Ein Stein liegt auf der Erde und wird durch die Anziehungskraft auf der Stellen gehalten. Hebst du ihn hoch, benutzt du dazu Kraft. Wenn du ihn nun fallen lässt, gibt diese Kraf ihm die Energie eine Delle in den Boden zu schlagen. –

 

Weitere Ausbildungsorte von Jörg sind der Shaolin Tempel Berlin und das Shaolin Zentrum in Bielefeld.

Weitere Ausbildungsorte von Jörg sind der Shaolin Tempel Berlin und das Shaolin Zentrum in Bielefeld.

Allen Übenden und auch mir selbst wünsche ich, irgendwann den Schritt von Kraft zu Energie zu meistern. Ich möchte Großmeister Adelino Rondalli und meinem Mentor Curtis CLavin Dittrich für die Anregung zu diesem Text danken. Das erarbeiten hat mir viel Verständnis und Freude bereitet.

 

Bis zum nächsten mal,
alles Gute
Jörg Roth.
 

Wie hat dir der Beitrag gefallen? Versuche doch einmal, eine für dich ganz natürlich gewordene Bewegung derart meditativ zu erleben. Das anheben einer Tasse oder das binden deiner Schuhe? Wie tief schaffst du es in deinen Körper hinein zu spüren?
 

Lass uns an deinen Erkenntnissen teilhaben und schreibe uns einen Kommentar.
Wir sind gespannt auf dein verweilen in der Betrachtung des Körpers.
Alles Gute und bis zum nächsten mal.
 
Dein Team der Tai Chi Akademie Kaiserslautern.

Be formless, shapeless, like water / Tai Chi, die weiche Kampfkunst Teil 2

Willkommen zurück bei der Tai Chi Akademie Kaiserslautern,
es ist wieder Zeit für einen neuen Blogeintrag auf unserer Webseite. Heute kommen wir zum zweiten Teil unserer Blogreihe über die weiche Kampfkunst. Unser Tai Chi Chuan. Die Verfasserin des Beitrags ist dieses Mal unsere Ditlinde Sand, sie betreibt seit mehr als 20 Jahren Kampftkunst. Bevor sie das Tai Chi zu ihrem Primärsport machte, war sie auch in Kung Fu sehr aktiv. Heute ist Ditlinde eine unserer Trainerinnen in den Tai Chi Kursen.
Nun wünschen wir dir viel Spaß mit ihrer persönlichen Welt des Tai Chi Chuan.

Tai Chi kann man überall trainieren.

Tai Chi kann man überall trainieren.

Tai Chi
Eine Sportart, die besonders langsame und fließende Bewegungen zum Ziel hat, kommt aus Asien und bedeutet übersetzt so etwas wie „reine Energie“ oder „höchster Energiefluss“. Für mich bedeutet es viel und sehr unterschiedlich Gutes:
Das extrem langsame Bewegen des gesamten Körpers fühlt sich harmonisch weich an, meine Atmung wird tief und ist ruhig, ich werde ruhig. Auch nach einem stressigen, hektischen Arbeitstag benötige ich nur sehr kurze Zeit, also wenige Bewegungen und ich schalte vom Alltag ab, konzentriere mich auf die Bewegungsabfolge und nehme mich selbst intensiv wahr. Es ist meine Entscheidung, ob ich mehr oder weniger Energie von meiner Energie aktivieren möchte oder nicht. Diese Option ist je nach Tagesform für mich und von mir steuerbar. Verspannungen der Muskulatur oder Bewegungsblockaden, die ich über Tag wahrnahm, legen sich durch die weichen Bewegungen. Nach dem Training gehe ich beweglich und warm, im Sinne von gut durchblutet und geschmeidig in der Bewegung, heim. Meine Gedanken sind frei, meine Gedanken sind vom Alltagsrestmüll entleert und eine Distanz zum Beruf oder dem Alltag sind distanziert. Letzteres ist angenehm, da ich direkt aus dem Job mittels Tai Chi einen Weg gehe, der für meinen Feierabend wohltuend ist.

Dietlinde Sand ist eine unserer Ausbilderinnen in den Tai Chi Kursen

Dietlinde Sand ist eine unserer Ausbilderinnen in den Tai Chi Kursen

Erreicht wird dies im Tai Chi, durch mein geistiges Mitgehen, meine Konzentration auf die Bewegungsabfolge. Bin ich nicht voll und Ganz bei der Sache, so sind die räumlich, anspruchsvollen Bewegungen nicht fließend oder sogar überhaupt nur schwer abrufbar. Dieses Muster für die Bewegungsabfolge heißt „Form“ und ich mag die traditionelle, chinesische Langform sehr.
Diese Form ist ein Mittel zur Meditation, Selbstvereidigung und Selbstheilung. Das sind hohe Ansprüche, jedoch ist unübersehbar, dass durch die tiefe und ruhige Atmung, der Einheit aus Gedanken und Körperbewegung und die Geschmeidigkeit der fließenden Bewegungsabläufe sich ein Körperzustand einstellt, der gut tut.
Ich persönliche liebe es, diese traditionelle Langform zu unterrichten, denn es stellt das Vermitteln eine Herausforderung dar, mit Bildern im Sinne einer Memotechnik diese Bewegungsfolge räumlich zu präsentieren. Die Bilderfolge ist auch für den Geist und für unser Hirn ein gutes und anspruchsvolles Training. Die Freude an der Bewegung, gepaart mit meinem Anspruch an Energiefreisetzung für mich, lässt mich gerne unterrichten. Das Gemeinschaftserlebnis einer synchronen Abfolge mit Anderen ist mir eine hohes Gut und Glück.
Dietlinde

Auch im Tai Chi ist das Waffentraining enthalten. Ester Engel trainiert bei uns eine Fächerform.

Auch im Tai Chi ist das Waffentraining enthalten. Ester Engel trainiert bei uns eine Fächerform.

Für diesen Text möchten wir uns, recht herzlich, bei Dietlinde bedanken. Wir hoffen sehr, dass dir der Beitrag auch dieses Mal gefallen hat und möchten dich ermutigen, unseren ersten Blogeintrag zu diesem Thema ( https://www.tai-chi-akademie.de/be-formless-shapeless-like-water-tai-chi-die-weiche-kampfkunst-teil-1/ ), mit den Schilderungen von Dietlinde zu vergleichen. Die Wahrheit zu Tai Chi Chuan, kann wahrscheinlich aber nicht mit einem Text ausgedrückt werden. Sie kann nur erlebt werden.

Wie sind deine Erfahrungen mit den weichen Kampfkünsten? Qi Gong, Aikido und viele andere Vertreter aus der Welt der Kampfsysteme funktionieren nach einem ähnlichen Prinzip. Schreib uns doch einfach deine Eindrücke und vielleicht hast du ja auch Fragen zu diesem Thema. Nutze dazu einfach die Kommentarmöglichkeit auf unserer Webseite oder in Facebook.

Wir freuen uns über deinen Besuch und danken für die Aufmerksamkeit.

Bis zum nächsten mal bei uns.

Alles Gute
wünscht das
Team der Tai Chi Akademie Kaiserslautern e.V.
Verein für Kung Fu, Qi Gong und Tai Chi Chuan

Be formless, shapeless, like water / Tai Chi, die weiche Kampfkunst Teil 1

 

Hallo und wieder einmal herzlich willkommen bei der Tai Chi Akademie in Kaiserslautern.

 

In unserem heutigen Blogeintrag geht es um unser Tai Chi Training. Ellen, eine unserer langjährigen Schülerinnen, wird euch ihre Welt dieser wundervollen chinesischen Kampfkunst vorstellen. Wir haben diesen Artikel komplett in Ellens Wortklang erhalten und möchten euch somit ihre Meinung unkommentiert zur Verfügung stellen.

Weiterlesen

Tai Chi Chuan

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Die Polarität kennen

Das Tao erzeugte die Eins.

Die Eins erzeugte die Zwei.

Die Zwei erzeugte die Drei.

Die Drei erzeugte alle Dinge.

(42. Kap.Tao-te-King)

 

Tai … – das Allerhöchste (Firstbalken)

Chi – Einheit vor Trennung von Yin und Yang, bestes Ende/Anfang  

Chuan – Faust, Weg, Form

 

Tai Chi Chuan

wurzelt in der Philosophie des Taoismus. Als praktische Anwendungen dieser Theorien bildeten sich verschiedene Kampf- und Heilkünste, z.B. Tai Chi Chuan, Qi Gong, Akupunktur, Tuina, Kalligraphie etc. im alten China.

Tai Chi Chuan gehört zu den Inneren Kampfkünsten:

Tai Chi Chuan ist eine Innere Kampfkunst. Sie wurde im Kampf Mann gegen Mann unter Beachtung natürlicher und gesundheitsfördernder Bewegungen, entwickelt.

Tai Chi Chuan Yang, die Form nach der Familie Yang benannt, verfügt über 108 einzelne Bewegungselemente, je nach Art der Zählweise auch mehr. Die Stile des Tai Chi Chuan haben alle ihren Ursprung in dem Chen-Stil. In dieser Kampfkunst werden die Bewegungen sanft-fließend-explosionsartig unter Beachtung der entsprechenden Atmung ausgeführt. Die Bewegungs- und Atemtechniken dienen außer dem Kampf auch in hohem Maße der geistigen und körperlichen Übung zur Kultivierung von Körper und Geist.

Tai Chi Chuan dient der Gesundheit:

Die „sanften“ fließenden Tai Chi Chuan Bewegungen trainieren den Körper und den Geist. Blockaden werden abgebaut. Die Flexibilität der Körpergelenke und die Dehnfähigkeit der Muskulatur werden insgesamt verbessert und/oder bewahrt. Tai Chi Chuan ist imstande die Gesundheit zu erhalten und die Heilung zu fördern. Mittlerweile hat sich auch die westliche Schulmedizin von den vielen positiven Wirkungen auf Körper und Geist des Menschen überzeugt. Sehr gut lässt sich Tai Chi Chuan zur Verbesserung und Behandlung bei Herz-, Kreislaufbeschwerden anwenden.

Tai Chi Chuan ist das „Allerhöchste“:

In der chinesischen Philosophie und Elementenlehre ist Tai Chi Chuan der Ursprung aller Dinge und wird das >Erhabene Letzte< genannt. Tai Chi ist die Mutter von Yin und Yang. Der Taoismus betrachtet den Wandel der Natur als Ausdruck der inneren Gesetzmäßigkeiten der Natur …“Unaufhörlich, immer kreisend, vermag es die Mutter der Welt zu sein. Ich kenne seinen Namen nicht, benenne es mit Tao…“(25. Kap.Tao-te-King). Das Tao erzeugt die „Die Eins“.

Der Wandel („Die Eins“)  erschafft das Yin und das Yang, „Die Zwei“. Der Himmel ist Yang und die Erde ist Yin. Yin und Yang sind die entgegengesetzten Kräfte in dem polaren Spannungsfeld. Aus dem polaren Spannungsfeld zwischen den komplementären Kräften Yin und Yang entsteht das Ch’i (Lebensenergie, Atem, Hauch, Äther oder Masse-Energie). Entsteht eine Bewegung beginnt gleichzeitig eine komplementäre Bewegung. Wenn sich etwas nach oben bewegt, geht etwas anderes nach unten. Wenn die Bewegung ihr Äußeres erreicht hat, kehrt sie zurück zur Stille.

Wenn die Stille ihr Äußeres erreicht hat, kehrt sie zurück zur Bewegung. Bewegung und Stille wechseln sich ab und erzeugen einander. Verschmelzen Yin und Yang wandeln sie sich um in Feuer, Wasser, Holz, Metall und Erde „Die Drei” erzeugt alle Dinge. Alle Dinge produzieren und reproduzieren sich und gehen nie zu Ende.

Nichts verschwindet oder geht verloren, es verändert nur seine Form.

 

In Tai Chi Chuan harmonisieren die bipolaren Kräfte von Yin und Yang

Tai Chi Chuan lässt sich nicht durch Worte vermitteln, es muss erfahren werden.

 

Geschichte und Legenden des Tai Chi Chuan

Tai Chi sowie Tai Chi Chuan bedeutet übersetzt >höchst<, >absolut<, >Erhabene Letzte<.

Es wird im I Ging dem Buch der Wandlungen beschrieben (Zhou-Dynastie (1100-770 v. Chr.).

 

Die historischen Ansichten über den Ursprung des Tai Chi Chuan sind sehr unterschiedlich.

 

Im 18. Jahrhundert schrieb Wang Zongyue, ein Kampfkunstmeister, ein Buch mit dem Titel „Über das Tai Chi Chuan“. Er versuchte die Kampfkunst Tai Chi Chuan mit den philosophischen Prinzipien von Yin und Yang zu erklären. Wang Zongyue soll, so heisst es in einer „alten Schrift“, Tai Chi Chuan an Jiang Fa und dieser an Chen Changxing weitergegeben haben. Anhänger dieser Theorie glauben Wan Zongyue habe die Erfahrungen seiner Vorgänger ausgewertet und daraus das Tai Chi Chuan entwickelt.

Weiter heisst es:

Tai Chi Chuan sei Ende der Ming-Dynastie (1368-1644) von Chen Wangting begründet worden, diese These vertreten die Forscher der Kampfkunstgeschichte. Chen Wangting war ein „Meister des Faustkampfes im Chen Stil und Begründer des Schwert- und Speerkampfes“.
Einer Legende nach habe der taoistische Mönch Chang San-Feng in den Wudang-Bergen (Ende Song-Dynastie 960-1279) die Prinzipien der inneren Kampfkünste entdeckt und daraus das Tai Chi Chuan geschaffen. Von dort aus wurden die Kampfkünste über Jahrhunderte verbreitet und weiterentwickelt.

 

Die verschiedenen Stile des Tai Chi Chuan:

  • Chen-Stil (1644)
  • Yang Stil (1800)
  • Wu Stil    (1812)
  • Sun-Stil   (1861)

 

Der Yang-Stil ist der verbreiteste Stil, benannt nach der Familie Yeung (Yang) aus der Provinz Hobei in China.

Der Chen Stil wurde ursprünglich über 12 Generationen im innersten Familienkreis der Chen-Familie weitergegeben. Im 19. Jahrhundert lernte Yang Lu Chan (1800-1873) die Tradition und Geheimnisse des Chen-Stiles von Tai Chi Chuan-Meister Chen Changxing (1771-1853) und entwickelte diesen Stil weiter. Er schuf die Kombination von äußerer und innerer Kampfkunst und verschmolz aus beiden Richtungen die effektivsten Techniken. Yang Luchan ging nach Beijing und lehrte dort Angehörigen der Oberschicht die Kampfkunst Tai Chi Chuan.

Yang Luchan vereinfachte die Bewegungen und verbreitete das Tai Chi Chuan auch im einfachen Volk, allerdings nur unter dem Aspekt der Gesundheit. Yang Chen Fu (1883-1936) der Enkel von Yang Lu Chan, der Unbesiegbare genannt, formte die lange Yang-Form (Langes Lied) mit 85 Folgen aus den älteren Tai Chi Chuan-Formen. Die tiefen Stellungen und die Halbschritte der alten Tai Chi Chuan-Form mit ihren 108 Abfolgen nach Meister Yang-Ban-Hou und die zahlreichen Wechsel zwischen schnellen Sprüngen und langsamen explosiven Stellungen wurden herausgenommen.

Yang Chen Fu formulierte die „10 Prinzipien“ des Tai Chi Chuan. Sein Sohn Yang Sau Chung (1910-1985) verfasste die 13 Prinzipien des Tai Chi Chuan. Er reiste durch ganz China und half seinem Vater bei der Verbreitung des Yang Stils.

Im Jahre 1956 wurde die Pekingform mit 24 Bildern aus der klassischen Tai Chi Chuan Form (Yang-Stil) im Auftrag des Nationalsportkomitees der Volksrepublik China von Chen Mang Ching zusammengestellt. Viele Bewegungselemente aus den Tai Chi Chuan Formen des Yang-Stils wurden gestrichen und/oder vereinfacht.

Inzwischen sind verschiedene andere Zusammenstellungen wie z.B. die 48iger oder die 16er Form populär gemacht worden.

Tai Chi Chuan wurde in der Volksrepublik China als Disziplin in den nationalen Wushu-Wettkampf aufgenommen. 1990 in Beijing war Tai Chi Chuan offizielle Disziplin (11. Asien-Spielen).

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